Gábor Eszter: Die Andrássy Straße - Unser Budapest (Budapest, 2002)
tendert Mentetten, der Bekanntichaften nicht nötig hätte." (Budapests Bräutigam) Aus dem Aktenbund im Archiv, der über die Anzeigen des Nachbarn, Baron Ferenc Révay wegen Ruhestörung angelegt wurde, wissen wir, daß im Sommer ein großes Orchester im Musikpavillon im Garten spielte und der Mieter, Sámuel Sándor Rosner im Frühjahr 1884 gerade bemüht war, das Orchester von Johann Strauß einzuladen — oder seiner Sache bloß durch Erwähnung der Berühmtheit mehr Gewicht verschaffen wollte. In seiner ursprünglichen Form bestand das Vergnügungslokal nicht einmal bis zum Millennium, da 1893 gerade das 306 Quadratklafter große Gebiet, auf dem der Musikpavillon stand, vom Garten abgetrennt wurde. Hier wurde dann jener Pavillon errichtet, in welchem während der Tausendjahre-Ausstellung das Gemälde Ecce Homo von Mihály Munkácsy zum Eintrittsentgelt von 50 Kreuzer besichtigt werden konnte. 1897 wurde dann die auch heute noch erhaltene Mietvilla auf dem Grundstück Nr. 127 gebaut. Auch die Tage des Bellevue waren schon gezählt. Der neue Besitzer, der Bauunternehmer Hermann Babocsay, suchte kaum einen Monat nach dem Kauf im Februar 1904 um eine Abbruchsgenehmigung an („dat im altmoditchen Stil erbaute .Bellevue' itt eingettürzt" — schrieb Ágai), damit er auch das verbleibende Grundstück teile und zur Andrássy út hin eine einstöckige Villa, zur Aréna út hin eine zweistöckige Mietvilla von Aladár Árkay entwerfen ließe. Die Babocsay-Villa war eine der größten Pester Architektur-Attraktionen der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Ihre extremen Sezessionsformen (es gab keine zwei Fenster, die sich glichen), ihre farbigen — vielleicht gescheckten — Keramikverzierungen teilten das Publikum. Ein Teil schwärmte dafür, der andere war davon irritiert. Béla Lázár schwang sich ganz in dichterische Höhen, als er 1910 in der Zeitschrift Művétzet (Kunst) über das Haus schrieb; „Wer tich der letzten Villa in der Andrátty út. der von Aladár Árkay entworfenen Baboctay-Villa mit einem dem Kunttwerk gebührenden Interette nähert, wird plötzlich von einer eigenartigen Wirkung überkommen. Er tpürt tofort, daß eret hiermit einem fein. Ja togar magyaritch. in originellen Bildern denkenden Künttler zu tun hat. Leite, jedoch heitere, in einem lebhaften und graziöten Rhythmut gehaltene Melodien tchweben unt entgegen. Wirtpüren, daß hier Harmonie entitand, da ein modern denkender Erbauer mit einem den modernen Mentchen vergehenden Architekten zutammengetroffen itt und aut dieter Harmonie Schönheit konzipierten." All jene Schönheit, die Béla Lázár und die für das Neue schwärmenden Zeitgenossen so begeisterte, wurde in den zwanziger Jahren als unerträglich angesehen. Die Sezession wurde der künstlerische öffentliche Feind Nr. 1, wurde als verdreht und geschmacklos beurteilt. Das wurde zum Verderben der Babocsay-Villa. Ihr neuer Besitzer baute sie 1926 sowohl außen als auch innen um. Lajos Kozma, der damit beauftragte 61