Prohászka László: Der Donaukorso - Unser Budapest (Budapest, 1998)

telzeile hatten das Kreuzfeuer noch einmal verhältnismä­ßig gut überstanden. Keines hatte ernste Beschädigungen davongetragen. Nach dem Fall der Räterepublik am 1. August 1919 sta­bilisierte sich zu Beginn der zwanziger Jahre zur Zeit der Bethlener Konsolidation die Situation des Landes. Die ver­schiedenen „Freikorps“ hatten die von ihnen besetzten Hotels verlassen, und im Laufe der Jahre kehrten auch die ausländischen militärischen Missionen zurück. Langsam nahm die natürliche, bürgerliche Gästeschar wieder die Hotels in Besitz. Nach dem Abzug der Volkskommissare erhielt das Grandhotel Hungária natürlich sofort seinen al­ten Namen zurück. Auch der Donaukorso belebte sich wie­der: man spazierte wie früher am Donauufer auf und ab. ln dem vom Hotel Bristol abgeteilten Gebäude, dem früheren Heinrich-Haus, welches nach Plänen von Lajos Wagner in ein vierstöckiges Gebäude umgebaut wurde, er- öffnete man 1926 das Hotel Carlton. Es war ein elegantes und schönes Hotel, zu dessen Gästen außer Ausländern auch die verhältnismäßig wohlhabende Schicht des ein­heimischen Mittelstandes gehörte. In dem zum Petőfi tér hin blickenden Gartenlokal waren zwischen Palmen die Ti­sche mit schneeweißen Damasttischtüchern gedeckt, und die Kellner warteten mit zeremonieller Eleganz auf. Die Preise des Restaurants waren dabei auch für einfachere Schichten des Mittelstandes erschwinglich. Ein junger Bankangestellter konnte es sich erlauben, ein- bis zweimal die Woche mittags im Garten des Carlton zu speisen. Das Hungária und der Donaupalast (früher Ritz) stan­den seit 1916 unter derselben Leitung. Beide Luxushotels boten ihren Gästen eine Verpflegung auf Weltniveau. „Das modernste und weltmännischste ist das Ritz, das an­genehmste jedoch das Hungária“ - charakterisierte Pál Granasztöi die beiden Schmuckstücke in seinem bereits erwähnten Buch. Nach einer inneren Abmachung empfing das Hungária die aus dem Westen stammenden Gäste, während das Hotel Donaupalast eher die östlichen - meist viel reicheren - Gäste beherbergte. Natürlich geschah dies durch höflichste Empfehlungen, da ein ankommender Gast selbstverständlich das Recht hatte, dort zu wohnen, wo er Lust hatte. Als 1935 Prince Edward of Wales (später König von England) in zahlreicher Begleitung einen von der Presse ausführlich beschriebenen Besuch in Budapest abstattete, stieg er z. B. im Donaupalast ab. Seine Blütezeit erlebte der Donaukorso in den 1930er Jahren. Im Restaurant und auf der Terrasse im Erdge­25

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