Gábor Eszter: Budapester Villen - Unser Budapest (Budapest, 1997)
nicht Betreiber der modernen Kunst, die Siedlung strahlte trotzdem eine moderne junge Intonation aus, etwas bisher in Ungarn Ungewohntes. Nicht nur die Siedlung als Ganzes wirkte auf diese Weise, sondern jedes einzelne Haus separat. Gyula Wälder hatte auch auf die barocken Dekorationselemente verzichtet, hatte in anderen, geometrischen Mitteln die Gestaltung und Gliederung des Baukörpers des Hauses gesucht. Robert K. Kertész hatte sich den Formen des zeitgenössischen norddeutschen oder eher noch holländischen Backsteinbaus zugewendet und nicht seinen eigenen früheren Bauten. Die Häuser hatten eine Grundfläche von 62 bis 100 Quadratmetern, die Wohnungen betrugen von 110 bis 263 Quadratmetern, den kleinsten Wohnraum besaß die erdgeschossige Villa von Károly Weichinger, den größten die zweistöckige Villa von Péter Kaffka. (Alle übrigen Häuser waren einstöckig.) Die Grundeinteilung der Wohnungen entsprach dem in ganz Europa üblichen Typ des einstöckigen Familienhauses: im Erdgeschoß das Wohnzimmer, die Küche, die Speisekammer, die Waschküche, oben im ersten Stock die Schlafzimmer und das Badezimmer. Die Variationen bestanden bloß darin, daß das Wohnzimmer im Erdgeschoß ein großer Raum blieb oder in zwei bis drei Räumlichkeiten aufgeteilt wurde (Wohnzimmer, Speisezimmer, Die Siedlung vom Ördögárok (Teufelsgraben) aus gesehen im Jahre 1997. Von links: Haus Hr. 7. und 9. (Andor Wellisch, Robert Kertész K.) 44