Szegő Dóra - Szegő György: Synagogen - Unser Budapest (Budapest, 2004)
schiedener Fachgremien der ungarischen Architekten, darunter so bedeutende Persönlichkeiten wie Ignác Alpár, Alajos Hauszmann, Imre Steindl und Frigyes Schulek. Man lud den Wiener Synagogen-Spezialisten Professor Karl König ein, sowie den Architekten Wilhelm Stiassny. Der Termin wurde bis zum i. Februar 1899 verlängert. Es wurden 23 Pläne eingereicht. Den ersten Preis erhielt der Entwurf von Ernö Foerk und Ferenc Schö- mer, doch ihr imposantes Gebäude mit seiner mittelöstlichen Silhouette, den italienischen Details und der riesigen Zweierkuppel überschritt die verfügbaren finanziellen Mittel. Den zweiten Preis bekamen Zoltán Bálint und Lajos Jámbor (Frommer), die eine vervierfachte Variante des Synagogen-Fassadentyps mit Giebelmauern und untersetzten Türmen planten. An den Ecken planten sie weitere vier Türme, dazu ein etwas kleineres Vestibül am Haupteingang, welches an den Markusdom in Venedig erinnerte. Im Zentrum stand eine erhöhte Variante der zweigeschoßigen Kuppel der Hagia Sophia in Konstantinopel. Den dritten Preis erhielt der Entwurf des jungen Absolventen Béla Lajta (Leitersdorfer). Der an den Kapellenkranz der Kathedralen erinnernde Grundriß, welcher sich zum Hexagramm erweiterte, wies eine die Normen des Modernismus auflösende Form vor, diesmal mit einer maurisch gotisierenden Fassade. Die ebenfalls an den Markusdom erinnernde Vorhalle ist ein richtig proportionierter, geistreich angeschlossener Kubus. Die Leopoldstädter Wettbewerbsarbeit war Lajtas erster selbständiger Erfolg. Bei ihm paarte sich das Monumentale schon mit der Funktionalität der modernen Architektur. Außer dem andern dritten Platz, welchen Lipöt Baumhorn erhielt, wurden Pläne und Arbeiten folgender Architekten gekauft bzw. belobigt: Izidor Scheer, László und József Vágó, Vilmos Freund, Géza Márkus sowie die gemeinsame Arbeit von Aladár Géza Kármán und Gyula Ullmann - alles in einem gewissen Sinne Arbeiten im Sezessionsstil. Noch zwei kleinere Preisausschreiben wurden von der jüdischen Gemeinde organisiert und wieder hatten Foerk und Schömer Erfolg - diesmal mit einem Langhaus-Synagogenentwurf. Inzwischen verging die Zeit und die für die Bebauung des Grundstücks garantierten sechs Jahre verstrichen, worauf das Besitzrecht wieder an die Stadt zurückfiel. Die emblematische Synagoge des Budapester Judentums wurde schließlich doch nicht gebaut. Die beiden vom Standpunkt der Synagogen-Architektur bedeutendsten Teilnehmer des Preisausschreibens waren Béla Lajta und Lipót Baumhorn. Ersterer erhielt nie mehr wieder eine so bedeutende Aufgabe und verstarb leider sehr früh. Die Synagogen, die Lipót Baumhorn in dem hier erschaffenen zeitgemäßen Stil im damaligen Ungarn - in Fiume, Cegléd, Makó, Esztergom, Eger, Gyöngyös, Losonc, Temesvár und 52