Boros Géza: Statuenpark - Unser Budapest (Budapest, 2002)

da, 1956 wurde es in die Luft gesprengt. 1958 wurde die alte Statue durch eine neue ersetzt, diese sehen wir nun im Statuenpark. Der Künstler nützte die sich ihm darbietende Gelegenheit und formte — nach dem Beispiel der Ostjapenko- Statue ein einfigüriges, besser durchkomponiertes Denkmal. Dies half jedoch bezüglich des bildhauerischen Niveaus des Denkmals auch nicht viel: gepaart mit der Parlamentär-Statue von herényi wirkt sie noch eher wie eine kraftlose Panoptikumfigur. 41 . Statue des Kapitäns Ostjapenko (Jenő Kerényi, 1951) Nach seinem Fiasko mit dem Steinmetz-Auftrag erhielt Kerényi als Entschä­digung den Auftrag für den anderen sowjetischen Parlamentär, für die Statue des Kapitäns Ostjapenko. Auf der südwestlichen Seite des Budapester Belage­rungsrings zog Ostjapenko als Botschafter der Sowjets mit einem weißen Banner in der Hand in Richtung der deutsch—ungarischen Stellungen, um den Aufruf zur Kapitulation zu übergeben. Als er zurückkehrte, gelangte er in ein sowjeti­sches Artilleriegefecht und ein Granatsplitter traf ihn tödlich. Die offizielle Propaganda sprach von einer Erschießung des Friedensboten von hinten durch die Deutschen. Die an der Abzweigung Budaörsi út und Balatoni út aufgestellte Statue fiel 1956 ebenfalls der Volkswut zum Opfer. Sie wurde so arg beschädigt, daß man sie 1958 neu formen mußte. 1991 gab es bezüglich der letzten beiden Werke, besonders jedoch wegen des auch künstlerisch nicht unbedeutenden Ostjapenko-Denkmals, während der Entscheidungen über die Entfernung der Denkmäler beträchtliche Meinungsverschiedenheiten. Diejenigen, die diese beiden Werke an ihrem Platz erhalten wollten, meinten, sie hätten im Laufe der Zeit ihre politische Bedeutung schon fast verloren und würden sozusagen als „Empfangsstatuen" die Grenzen Budapests markieren. Ein weiteres Argu­ment war auch die Tatsache, daß die beiden Parlamentäre ihr Leben während der Befreiung Budapests verloren, während einer solchen Mission, deren Ziel ein Verhindern der Zerstörung der Stadt war. Die Hauptstädtische Generalver­sammlung beschloß schließlich, als eigenartigen Kompromiß die Statuen zu ver­legen und gleichzeitig am ursprünglichen Ort zwei Gedenktafeln aufzustellen (was später vergessen wurde). Als Ersatz für den fehlenden Ostjapenko be­schlossen 1993 die Autohändler der Umgebung auf den leeren Sockel eine Statue des heiligen Christophus, dem Schutzpatron der Autofahrer zu stellen. Der Bild­hauer Imre Varga machte auch einen Entwurf für eine riesige Figur aus Chrom­stahl, mit einem Kreuz in der Hand, ringsherum die Embleme der Sponsorenfir- men. Der Plan wurde nicht realisiert, der Sockel daraufhin abgetragen. Jahr­zehntelang hatten die beiden Statuen die Ankommenden und die Abreisenden 52

Next

/
Oldalképek
Tartalom