Boros Géza: Statuenpark - Unser Budapest (Budapest, 2002)

an den Stadtgrenzen von Budapest gegrüßt. Diese Funktion haben sie sich auch im Statuenpark bewahrt: sie verabschieden die Besucher. Die Schlussmauer Spazieren wir zwischen den beiden Figuren der Parlamentäre weiter, so hört der Weg nach einigen Metern auf und stößt gegen eine riesige, ungegliederte Ziegelmauer. Die Mauer paßt sich dem abschüssigen Gelände nicht an, läßt dieses „außer Acht", steht da, wie mit dem Lineal gezogen und setzt sich waage­recht über dem Gelände fort. Am Treffpunkt zwischen Weg und Mauer gibt es absichtlich überhaupt kein Zeichen — weder eine Tafel noch eine Nische oder einen Kommentar. Die Schlußmauer soll zu verstehen geben, daß hier das Ende ist, daß es nicht weiter geht! Mit einer einzigen radikalen architektonischen Geste macht die Mauer dem historischen Spaziergang ein Ende: der pfeilgerade Weg mit seinen endlos geglaubten Promenaden erwies sich als Sackgasse - wir müssen zurückkehren. Während wir zurückspazieren, sollten wir vielleicht darüber nachdenken, was wohl mit den vielen, mehreren hundert politischen Denkmälern im Land geschehen ist, die alle beseitigt wurden. Ihr Schicksal ist sehr verschieden, oft unbekannt. Bestenfalls kamen die wertvolleren Stücke in lokalhistorische Sammlungen, in die Lagerräume der Museen oder wurden den Künstlern zu­rückerstattet. Bei allegorischen Statuen waren Umwandlung und Neuverwer­tung verbreitete Lösungen. Die Bronzestatuen fielen vielerorts Metalldieben oder Vandalen zum Opfer: Zahlreiche Werke wurden von politischen Emotio­nen angeheizt zerstört: die ortsfesten Steinreliefs wurden zerstört, die Ge­denktafeln zertrümmert. Nicht wenige Arbeiten wurden durch unfachmänni­sches Beseitigen umwiederbringlich beschädigt. Es gab auch solche Werke, die man einfach vergessen hatte abzutragen, sie verstaubten in einem von Unkraut bewachsenen Winkel eines verlassenen Parks. Selten treffen wir auf solche Fälle wie in der Stadt Hódmezővásárhely, wo ähnlich wie im hauptstädtischen Statuenpark, die Statuen und Gedenktafeln, die von öffentlichen Plätzen stam­men, in einer kleinen Freilichtausstellung vorgestellt werden. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs kam im Westen reges Interesse an den Statuen-Requisiten der osteuropäischen Staaten auf. Zahlreiche Stalin-, Lenin- und andere plötzlich überflüssig gewordene Statuen wurden von westeu­ropäischen und amerikanischen Sammlern aufgekauft. Eine kleinere Freilichtsammlung von Statuen gibt es z. B. im bayrischen Gundelfingen. Der Moskauer Statuenpark hingegen befindet sich in einem Park der Innenstadt, 53

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