Ferkai András: Wohnsiedlungen - Unser Budapest (Budapest, 2005)
Mit heutigen Augen gesehen stellt das einheitliche Bild der Magdolnavároser Siedlung zweifelsohne einen Wert dar. Dieser Wert, der bisher keinerlei offiziellen Schutz erhielt, ist nun in ernster Gefahr. Schon in der Kádár-Zeit hatte man mit unerlaubtem Anbauen und Garagenbau begonnen, obwohl die Grundstücke so klein sind, daß es ursprünglich verboten war, jede Art von Nebengebäude hier zu errichten. Es folgten Dachgeschoßausbauten und nach der Wende, als die einzelnen Immobilien an die Bewohner verkauft wurden, begann man mit dem Bau von Mansarden und oberen Stockwerken. Zahlreiche Häuser wechselten den Besitzer und den von außen Kommenden bedeutete die Einheitlichkeit des Bildes eines Reihenhauses oder einer Gasse gar nichts. Immer mehr Häuser wurden abgetragen und nagelneue Paläste an ihrer Stelle errichtet. Das Problem ist ähnlich wie bei der Wekerle-Wohnsiedlung: die Häuser sind klein und entsprechen den heutigen Ansprüchen nicht mehr. Trotzdem müsste irgendeine Lösung gefunden werden, sodaß die Siedlung ihren ursprünglichen Charakter nicht ganz verliert. Das Zentrum der Magdolnavároser Gartenstadt stellte man sich mit zweistöckigen, rahmenförmigen Blocks bebaut vor. Von diesen wurden diejenigen in der Göncöl utca in den Jahren 1943—44 verwirklicht, die den heutigen József Attila tér umgebenden jedoch erst zu Beginn der fünfziger Jahre. Ebenfalls in den Nachkriegsjahren wurde auch der Bau der von der Hauptstadt im Frühjahr 1943 begonnenen 1800 Zimmer-Küche Notwohnungen beendet, welche sich auf drei, der Gartenstadt benachbarten Gebieten befanden. Die dreistöckigen Hochdach-Häuser (Stadtplan: Gedeon Gerlöczy, Architekt: Károly Weichinger) bestanden aus ganz einförmigen Sektionen, hier verwendete man zum ersten Mal seriengefertigte Fenster, bzw. vorgefertigte Treppenhäuser aus Eisenbeton. Von den 54 Gebäuden wurden bis zur Belagerung der Hauptstadt nur 25 fertig. Nach 1945 wurde die Arbeit den alten Plänen entsprechend fortgesetzt und die begonnenen Gebäude der Reihe nach beendet. Auch während des Dreijahresplans wurden noch 6 neue zweistöckige Zeilenhäuser auf die vorhandene Grundierung neben der Béke út gebaut (Zoltán Kosa und E. Deák, 1949—50). Wegen des großen unbebauten Geländes südlich der Gartenstadt blieb der Bezirk Magdolnaväros auch in den Nachkriegsjahren Schauplatz des Massenwohnungsbaus. WOHNSIEDLUNGEN NACH 1945 Von Magdolnaväros bis zur Ernst Thälmann utca Eine der ersten Aussschreibungen der Friedensjahre wählte den Bezirk Magdol- naváros neben dem Donauufer als neues Zielgebiet des Wohnungsbaus. Die 1946 veröffentlichte Ausschreibung erwartete Vorschläge für sämtliche Gebiete: von der Bebauungsweise über den Typ der Wohnungen bis hin zur Innenausstattung 47