Radek Tünde - Szilágyi-Kósa Anikó (szerk.): Wandel durch Migration - A Veszprém Megyei Levéltár kiadványai 39. (Veszprém, 2016)

1. Landschafts- und Gemeinschaftswandel als Folge von Migration - Prosser-Schell, Michael: Aufzeichnungen sagenhafter Erzählstücke durch Jenő Bonomi und Anna Loschdorfer im IVDE Freiburg. Minderheitenvolkskunde der Deutschen in Ungarn in der Zwischenkriegszeit

96 Prosser-Schell, Michael: Aufzeichnungen sagenhafter Erzählstücke Minderheitenforschung beschreiben: Der Aufsatz Bonomis 1936 ordnet die Erzählung vom „Wilden Jäger“ allein den Nachkommen der deutschen Einwan­derer zu; die „Magyaren“ und die anderen ethnischen Gruppen in den Dörfern des Ofener Berglands besäßen, so Bonomi, „keine dem wilden Jäger ähnliche Sagengestalt“ (Bonomi 1936: 276). Diese Texte ließen sich besonderes als Sprachzeugnis für einen bestimmten Minderheitsdialekt auffassen, weiterge­dacht, als deudicher Beleg dafür, dass diese Sprache hier in ästhetischen Gestal­tungen, in tradierter, gleichsam in (volks-)poetischer Weise und in kulturell elaborierten Formen vorhanden war (deshalb benannten Bleyer und andere die Summe der eruierbaren sagenhaften, gegebenenfalls schaurigen Erzählungen nicht einfach mit „Unterhaltungserzählungen/Unterhaltungsgeschichten“, son­dern mit „Sagen-Schatz Hingegen, für eine pangermanische oder „alldeutsche“ Untersuchungsper­spektive konnte der Wert der damaligen Erhebung dieses Motivs in letzter Konsequenz darin bestehen, dass es eine Kennzeichnung mythischer Qualität, dass es in genau diesem narrativen Ausdruck einer Jenseitsvorstellung zugleich auch ein Spiegelbild zu einer bestimmten Konzeptualisierung vom Menschen war - diejenige Konzeptualisierung vom unablässig rasdos strebenden und for­schenden und immer unruhig weiter tätigen, „nordischen“ Volkscharakter.16 An der ländlich-bäuerlichen Bevölkerung der Sprachinseln konnten entsprechend anders orientierte akademische Kreise, die sich etwa die berüchtigte Rasse- Forschung angelegen sein ließen, zu einem Schlussfolgerungsgedanken hin gelangen, dass, wenn dieses Motiv sich in bäuerlichen Erzählstücken finden ließ, es gewissermaßen körperlich gespeichert, in nuce und in natura dauerhaft sei, dass es die Auswanderer auch nach mehreren Folge-Generationen nicht verlie­ren, sondern behalten und beibehalten auch in einem Siedlungsgebiet, in dem andere Sprachen und andere Alltage vorherrschen; dass es, unbeeindruckt von 16 Dafür, dass sich im Sinne der Alldeutschen in dieser Sage der nordisch-germanische Volkscharakter und dessen „Seelen-Eigenschaff“ spiegeln soll, gibt es — wir sind in den 1930er Jahren — eine Unzahl von Literaturstellen. Die m.E. wichtigste Generalisierung steht bei Oswald Spengler (1922: 429): „Die Seelen der Griechen waren im Hades versammelt, ohne sich zu regen, als Schattenbilder ohne Kraft, Wunsch und Empfin­dung. Die nordischen Seelen aber gesellten sich dem ,wütenden Heere ‘ zu, das rastlos durch die Lüfte schweift.“ Wichtig deshalb, weil das Buch damals buchstäblich in jedem Bildungshaushalt vorhanden war; der Satz gewinnt durch diese vergleichende Gegenüberstellung mit dem Hades seine Bedeutung, denn damit kommt das auf ein- dieselbe Stufe mit der antik-griechischen Hochkultur. Karl Meisen hat in seiner immer noch als Standardwerk geltenden Monographie „Die Sagen vom Wütenden Heer und Wilden Jägern“, erschienen bei Aschendorff in Münster 1935 die zahlreich gesammel­ten Interpretationsansätze publiziert.

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