Radek Tünde - Szilágyi-Kósa Anikó (szerk.): Wandel durch Migration - A Veszprém Megyei Levéltár kiadványai 39. (Veszprém, 2016)

1. Landschafts- und Gemeinschaftswandel als Folge von Migration - Márkusáé Vörös, Hajnalka: „Sage mir, wo unsere Wohnstätte wohl sein wird...” - Organisierte, spontane und notgedrungene Migration im Bakonygebirge und auf dem Plattenseeoberland im 18. Jahrhundert

Márkusné Vörös, Hajnalka: Organisierte, spontane und notgedrungene Migration 47 den. In Waschludt/Városlőd, an der Stätte des mittelalterlichen Kartäuserklos­ters (Lövőid), in Pille lebten ungarische, protestantische Hörige. Auf dem Bi­schofsgut wurde eine Glashütte (die erste im Bakonygebirge) bereits 1715 betrieben. Der erste Glashüttenmeister war Peter Johannes Rubner, der nördlich von Linz, aus dem heutigen österreichisch-tschechischen Grenzgebiet mit seiner Familie und mit einigen Hüttenarbeitern hier eintraf. 1735-1757 mietete Michael Gasteiger die Hütte. Die Gasteiger-Familie stammte aus Deutschland, aus dem oberbayerischen Gebiet. 1757 kam als neuer Glashüttenmieter — aus der berühmten Glasbläserdynastie aus Mähren — Ferdinand Adler mit seinem Vater nach Pille (der Vater verstarb hier 1758), mit seinen Brüdern Franz Xaver und Josef, sowie mit seinen Schwestern, mit der ledigen Johanna sowie mit Antonia und mit deren Mann, er brachte zudem 24 dem Namen nach bekannte Gehilfen mit sich. Die Familie Adler übernahm das Betreiben der Glashütte von Waschludt/ Városlőd und begann gleich eine neue Glashütte zu bauen. Nach der Überliefe­rung bot Márton Padányi Bíró zu dieser Zeit einen Tausch für die in Pille lebenden ungarischen Familien an. Für 10 Joch Feld von Pille bot er ihnen 20 Joch Feld bei Udvari am Ufer des Plattensees/Balatons an, wenn sie vom Gelände der Hütte umsiedeln. So kam es zum Wohnortwechsel, die Geschlech­ter Kozma und Kerkápoly zogen von Pille nach Udvari um (Marton 1999: 57f.; Eötvös 1909: 149£). Nach ihrer Umsiedlung wurde die neue Glashütte fürs Jahr 1762 errichtet, die die Bezeichnung „Huta Bohemica”, d.h. Csehhuta - Csehbá­nya - Böhmischhütte trug. Danach wurde die Glasbläserei in Pille eingestellt. Die Glasbläser arbeiteten nunmehr in den neu errichteten Glashütten. Am Ende der 1760er Jahre wurde das bis dahin selbstständige, über eine eigene Kapelle und einen Friedhof verfügende Pille dem Ort Waschludt/Városlőd angeschlos­sen. Da begann es mit der gemeinsamen Geschichte von Waschludt/Városlőd, das von Franken bewohnt war sowie von Pille, das zum größten Teil von Bayern besiedelt wurde (Roth 1990; Koppányi 1991). In den höheren Lagen des Bakonygebirges wohnten im 18.Jh. Glasbläser in den Siedlungen Lokut/Lókút, Jitjankut/Gyertyánkéit, Obánya (‘Altglashütte“), Újbánya (‘Neuglashütte“), Deutschhütten/Németbánya, Böhmischhütten/Cseh- bánya, Wirtshäusl/Farkasgyepü und Somhegy.23 Im Allgemeinenen hatten die Glashütten nicht lange Bestand. Im ersten Viertel des 19.Jh.s zogen die Glasblä­23 Erzbischöfliches Archiv Veszprém (VÉL), VIII.31: Pfeiffer János hagyatéka, üveghu­tákra vonatkozó adatgyűjtés. [Nachlass von János Pfeiffer, Datensammlung zu den Glashütten].

Next

/
Oldalképek
Tartalom