Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)
Hans Hahnenkamp: Eliten der Wirtschaft im Burgenland zwischen den beiden Weltkriegen
Bereits zu Beginn des Ersten Weltkrieges musste wegen des Mangels an Rohstoffen die Produktion im Werk II eingestellt werden und zwang zur Verarbeitung von Ersatzstoffen, mit der wenigstens die Fabrik I aufrecht erhalten werden konnte. Nach dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich und die neue Grenzziehung brachte das Unternehmen in eine schier hoffnungslose Lage. Das große Werk, das einst bei 2.000 Menschen beschäftigte, stand fast leer. Es blieb nur eine Verständigung mit einem großen österreichischen Unternehmen. 1922 wurde im Wege des Aktientausches mit der „Hanf-, Jute- Textilit-Industrie A.G.” eine enge Interessengemeinschaft eingegangen. Schließlich wurde die Auflösung der Aktiengesellschaft der Ersten ungarischen Jute-Spinnerei und Weberei in der Generalversammlung der Aktionäre vom 29. Dezember 1925 und gleichzeitig die Vereinigung mit der Hanf-, Jute- Textilit-Industrie A.G. in Wien beschlossen. Dieser Beschluss wurde vom Bundeskanzleramt (Inneres) mit Erlass vom 31. August 1926 genehmigt. Bei der Gründung des Beirates für Handel, Gewerbe und Industrie, der späteren Wirtschaftskammer, am 12. März 1923 war Max Baum von der Industrie als Kammerrat für den Beirat nominiert worden. Schon Mitte 1923 trat er in den Ruhestand.12 Von besonderer Bedeutung war Baum auch - und das war mit ein Grund, ihn hier aufzunehmen - als Förderer der evangelischen Kirche in Neufeld. Er hatte Arbeiter, Vorarbeiter und Meister evangelischen Glaubensbekenntnisses aus Böhmen und Deutschland mit nach Neufeld genommen, bzw. geholt. Baum erreichte, dass der erste evangelische Gottesdienst in der Kantine der Fabrik in Neufeld stattfinden konnte. Schließlich wurde auf seine Initiative 1900 Neufeld zum Sitz der Missionspfarre gemacht. Gustav Adolf Ludig aus Lutzmannsburg wurde erster Pfarrer und heiratete die Tochter von Baum. Schließlich gelang es ihm, durch Sammlungen den Bau der Kirche zu finanzieren. Sie wurde am 28. August 1904 geweiht. Baum war von 1897 bis 1923 Lokalkircheninspektor.13 Er starb am 18. März 1930 in Mödling-Hinterbrühl. Ing. Josef Plichta (12. August 1866 in Bela/Böhmen, - 4. November 1935 in Wien) Nach Baum wurde zwar Ing. Rudolf Huder die Leitung der Neufelder Fabriken übertragen, technischer Zentraldirektor der Hanf-, Jute- und Textilit Industrie A.G. war aber Ing. Josef Plichta. Er hatte damit die Oberleitung über die in- und ausländischen Betriebe der Firma inne. Die Fusion hatte sich für das Neufelder Werk positiv ausgewirkt. Ab 1925 war ein deutlicher Produktionsaufschwung zu erkennen. Der Mitarbeiterstand konnte ständig erhöht werden und erreichte im September 1928 1.988 Arbeitnehmer. Trotz eines elftägigen Streiks konnte im selben Jahr ein beachtlicher Gewinn erzielt werden. Die wirtschaftliche Depression in den Dreißigerjahren zwang Plichta zu einschneidenden Kündigungen. Der Mitarbeiterstand sank von 1.392 im Jahre 91