Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)
Hans Hahnenkamp: Eliten der Wirtschaft im Burgenland zwischen den beiden Weltkriegen
Hanf- Jutefabrik Neufeld a.d.L. Das bedeutendste Industrieunternehmen sowohl in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als auch nachher war die Erste ungarische Jute-Spinnerei und Weberei AG in Neufeld a.d. Leitha. 1889 nahm sie die Produktion auf. Erster Generaldirektor war der Erbauer der Fabrik, Ing. Paul Girardoni. 1891 folge ihm Gustav Rieger und Hermann Wex. Am 1. Juli 1893 übernahm Maximilian Baum die kaufmännische und Franz Blümel sen. die technische Leitung des Betriebes. Johann August Maximilian Baum (geb. 30. August 1851 in Ostritz bei Breslau - gest. 18. März 1930 in Mödling/Hinterbrühl) Baum hatte den Kaufmannsberuf erlernt und kam mit seiner Familie 1893 nach Neufeld, wo er mit 1. Juli 1893 den Posten des kaufmännischen Direktors der Ersten ungarischen Jute-Spinnerei und Weberei übernahm. Die technische Leitung wurde Franz Blümel sen. übertragen. Die 1889 gegründete Jutefabrik war die größte dieser Art in der gesamten Monarchie und konnte, wie aus den Berichten des Unternehmens an die Ödenburger Handels- und Gewerbekammer hervorgeht, die Aktionäre voll zufrieden stellen. Die Fabrik verfügte Ende 1893 über 4.585 Spindeln und 240 Webstühle. Das Unternehmen nahm auch an der Millenniumsausstellung 1896 in Budapest teil. Insgesamt waren 26.000 Aussteller gekommen. Lediglich 100 Betriebe erhielten die höchste Auszeichnung, das Ehrendiplom, darunter auch die HITIAG in Neufeld. Außerdem erhielt Baum die Medaille „für lohnende Mitarbeit”. Die gute betriebswirtschaftliche Entwicklung machte eine Ausweitung der Produktionsstätte möglich. Bereits 1897 entschlossen sich Baum und Blümel, eine zweite Fabrik (Werk II) zu errichten. Nachdem der ungarische Handelsminister die Genehmigung für die Begünstigungen nach dem Industrieförderungsgesetz 1890 gegeben hatte, wurden die notwendigen Grundstücke gekauft und 1898 das Werk II errichtet. Sie wurde mit 2944 Spindeln und 150 Webstühlen ausgestattet. Aber schon bald kam es zu Schwierigkeiten. Noch im selben Jahr war der Absatz der Juteerzeugnissen rückläufig. Den Bemühungen von Baum gelang es erst 1906, die Absatzprobleme zu überwinden. Die Firmenleitung und damit vor allem Max Baum hatte auch mit Angriffen im ungarischen Parlament zu kämpfen. Der Abgeordnete des Mattersdorfer Wahlbezirkes, Dr. Stefan Tálos, rügte das „unpatriotische” Vorgehen der Jutefabrik. Sie erweise sich als Feind der ungarischen Staatsidee, da sie in erster Linie den österreichischen Interessen diene. Die Beamten verstünden nicht ungarisch und die Arbeiter seien fast ausschließlich aus Böhmen und Österreich. 90