Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Judit Klement: Die Wirtschaftselite in Ungarn in der Zwischenkriegszeit

neue Gruppe in der Wirtschaftselite: die Manager. Sie verfügten oft über kein großes Vermögen, hatten aber ein beträchtliches Gehalt. Der Lebensniveau eines Managers mit so einem Gehalt und ohne Vermögen konnte zu einem reichen Fir­mainhaber ähnlich sein.16 In der Zwischenkriegszeit kam mehrmals vor, daß die Politik ins Leben der Gesellschaft eindringte, manchmal auch mit Gewalt. Die sogenannten jüdischen Gesetze veränderten die Zusammensetzung der ungarischen Wirtschaftselite, un­gefähr die Hälfte der Elite wurde ausgetauscht. Diese Anzahl war bei der Multi- positionalelite nur 30%. Die Wachablösung vollzog sich meistens, gleichzeitig ent­wickelte sich aber das Strohmannsystem im Hintergrund, wenn eine christliche Person die Position besaß, die Entscheidung gehörte doch zu dem alten Leiter.17 Die Wirtschaftselite passte sich immer dem Wechsel der politischen Betonung an. Diese Anpassung kann mit der Untersuchung der wirtschaftliche Zeitschriften offensichtlich dargestellt werden. Wie die Rolle des Staates wuchs und die deutsche­italienische Wirtschaftsfreundschaft in Ungarn beherrschend wurde, so veränderten sich die unternehmerische Ideen und Werte in der Zeitung der Industriellen. Die li­berale Werte sollten zurücktreten, die Idee des Individualismus wurde bei der totalen Unterstützung des staatlichen Wirtschaftsprogrammes abgelöst. Diese Untersuchung von Éva Kovács ist ein gutes Beispiel darauf, daß die Wirtschaftselite nicht nur mit quantitativen, sondern auch mit qualitativen Methoden zu forschen ist.18 Zusammengefaßt die Kenntnisse über die ungarischen Wirtschaftselite können wir feststellen, daß das Judentum, im Vergleich zur ihrem Prozentsatz in der Bevöl­kerung, in der Wirtschaftselite überrepräsentiert war. Der jüdische Anteil an der Elite war aber höchstens 30%. Die Multipositionalelite, die Elite der Elite also be­saß im Durchschnitt 7,1 Positionen. Die personelle Überlappung war bedeutend in kleineren Unternehmen und in größten Banken, Fabriken und Arbeitgeberein­richtungen. Für die jüdische Wirtschaftselite war die Assimilation (Akkulturation) besonders charakteristisch. Die ungarische Wirtschaftselite zeigte Geschlossenheit hinunter in der Gesellschaft, blieb aber offen der Intelligenz gegenüber. Die Wirt­schaftselite war in Mehrheit akademisch gebildet. Sie lebten in der Gesellschaft abge­sondert, im Durchschnitt in Wohnungen mit 6 Zimmer. Eine Eliteposition bedeutete in der Zwischenkriegszeit nicht mehr unbedingt Vermögen, ein beträchtliches Gehalt konnte das Vermögen vertreten. In der Geschichte der Wirtschaftselite dringte die Politik gewaltsam ein, deshalb wurde die Elite von den 1930en Jahren ausgetauscht. Die Wachablösung und das Strohmannsystem war aber gleichzeitig anwesend. Die Wirtschaftselite passte sich dem Wechsel der politischen Betonung an. Ich halte aber für die wichtigste Charakter der ungarischen Wirtschaftselite ihre Heterogenität. Zur Demonstration dieser Heterogenität möchte ich am Ende zwei Representanten dieser Wirtschaftselite darstellen. Der eine ist Manager, der andere Bankier.19 79

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