Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Judit Klement: Die Wirtschaftselite in Ungarn in der Zwischenkriegszeit

Lipót Aschner Er wurde im Jahre 1872 in einem kleinen Dorf (Assakürt) in einer kleinbürgerli­chen jüdischen Familie geboren. Sein Vater war Kaufmann oder Gastwirt. Aschner blieb treu zu seiner Konfession bis zu seinem Tod. Er absolvierte nur die Grund­schule und vier weitere Klasse, er gehörte also dem nicht gebildeten Teil der Elite. Er fing seine Karriere als Kaufmannsgehilfe (in Pozsony) an. In 1892 tritt er in der Firma ein, wo sein Leben eine große Wendung bekam. Am Anfang war er Prakti­kant, dann Beamte und Bürochef. In 1904 wurde er zum Vicepräzident ernannt, in 1907 schon Direktor, und seit 1918 Generaldirektor und Mitglied in der Direktion. Die Firma war Egyesült Villamossági Rt. (Vereinigte Elektrizität AG.). Unter der Führung von Aschner entwickelte sich die Fabrik dynamisch. Die Vereinigte Elektrizität wurde ein wichtiger Teilnehmer nicht nur an der europäischen Mark, sondern auch weltweit. Die Produktion der Firma wurde in 85% exportiert. Aschner konnte seine Position auch nach den jüdischen Gesetzen behalten, nach der deutschen Besetzung wurde er aber verhaftet und nach Mauthausen trans­portiert, wie viele andere Elitmitglieder. Dank seinen internationalen Kontakte wurde seine Freiheit gekauft, und Aschner konnte am Ende des Jahres 1944 in die Schweiz fahren. In 1947 kehre er nach Hause und blieb der Berater der Firma bis zu seinem Tod in 1952. Auch die kommunistische Staatsleitung ließ ihn arbeiten. Tibor Scitovszky Er wurde in 1875 geboren. Unter seinen Vorfahren gab es Prinzprimas, Komitats- obergespan, Großgutsbesitzer. Die Familie Scitovszky war eine alte adelige, rö­misch-katholische Familie. Nach dem Gymnasium studierte Scitovszky Rechts­wissenschaft an der Budapester Universität und an der Sorbonne. In 1900 tritt er in das ungarische Handelsministerium als Hilfsschreiber ein, und damit begann seine politische Karriere. In 1919 wurde er schon zum Ministerialrat in dem neuen Aussenministerium ernannt, in 1922 war Scitovszky Staatssekretär wieder im Handelsministerium, dann in 1924 Aussenminister für ein Paar Monaten. Als pen­sionierter Minister wurde er zum Generaldirektor der Magyar Általános Hitelbank (Ungarische Allgemeine Kreditbank) im Jahre 1925 eingeladen. Seit 1938 war er auch der Vizepräsident. Die Kreditbank spielte die Rolle der Staatsbank in der Zwischenkriegszeit. In 1931 konnte Scitovszky eine wichtige Kredit für den unga­rischen Staat verschaffen. Nach dem zwiten Weltkrieg blieb Scitovszky in seiner Stelle als Präsident der Bank, aber nach der Verstaatlichung der Banken verließ er Ungarn. Er starb in 1959 in Los Angeles. Die Villa in Buda, die er erbauen ließ, ist heute das Gebäude der englischen Botschaft. 80

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