Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Andrej Pančur: Eliten des Wirtschaftslebens im slowenischen Raum

rerseits aber durch die Assimilation slowenischer Adeliger, die in den Dienst hoher fremder Adeliger getreten waren: »Der Slowene übernimmt unendlich gerne fremde Sitten, Gebräuche usw.: Er wehrt sich nicht gegen eine Eheschließung mit Auslän­dem, noch weniger wehrt er sich dagegen, bei mächtigen Herren in den Dienst zu treten und dort wird ihm sein Nationalgefühl abgetötet, verfremden sie ihm sein Herz und seinen Verstand und je mehr er in dieser Schule der Assimilation voran schritt, um so mehr entfernte er sich von seinem Volk.«16 Als wir Slowenen so im Mittelalter schließlich unseren Adel verloren haben, herrschten nach Meinung von Apih über den slowenischen Bauern nur noch Ausländer, die unter ihnen unbedingt jegliches slowenisches Nationalbewusstsein unterdrücken wollten. Dabei sollen sie sich fast der gleichen Methoden bedient haben wie die Deutschen, die in Apihs Zeit das slo­wenische Land germanisieren wollten: sie siedelten deutsche Bevölkerungsgruppen an, Slowenen, die in ihren Dienst traten, sollten sich assimilieren, sie germanisierten mit Hilfe von Schulen und Behörden.17 Die Vorstellung von ausländischen Adeligen, die Slowenen wirtschaftliche ausbeuten und sie gleichzeitig national unterdrücken, hat sich bereits in der zwei­ten Hälfte des 19. Jahrhunderts fest ins slowenische Nationalbewusstsein ein­geprägt. Der junge slowenische Historiker Dragotin Loncar (1876-1954) beschrieb die damalige »historische Wahrheit« in kürze wie folgt: »Verheerend war die sozia­le, kulturelle und politische Lage der Slowenen im Vormärz. Einheimische Adelige waren vollkommen verschwunden; noch existenter Adel war vom Volk entfrem­det und arbeitete für deutsche, italienische und ungarische Interessen. Dank slo­wenischer Schwielen wurden sie zum Schaden des Slowenentums reich.«18 Auch Vertreter der jüngeren Generation slowenischer Intelligenz dachten von ausländi­schen Adeligen nicht besser. So zum Beispiel der Wirtschafttheoretiker und Libe­rale Milko Brezigar (1886-1958), der sich bei Entstehung des Staates der Slowe­nen, Kroaten und Serben als Sekretär des Nationalrates in Ljubljana/Laibach und Mitglied ihrer Wirtschaftsabteilung als führender slowenischer Experte wirtschaft­licher Verhältnisse erwiesen hatte,19 hatte in seinem Plan für eine slowenische Nationalökonomie im Jahr 1918 festgestellt, dass ein beträchtlicher Teil des Groß­grundbesitzes in den Händen von ausländischen Eigentümern war. Dabei stellte er besorgt fest, dass ausländische Großgrundbesitzer heute wie auch früher ihren Ge­winn, »den sie erwirtschaften /.../ nicht auf unserem Gebiet verbrauchen sondern ins Ausland tragen.« Er forderte daher von der neuen slowenischen Regierung nachdrücklich: »Das historische Unrecht muss berichtigt werden, der Staat muss die Ländereien requirieren und sie nach Bedarf verteilen. Ferner muss jeder Profit von unserem Land auf der heimatlichen Scholle bleiben, er soll hier für produktive Zwecke verwendet werden und damit unser Land befruchten. - Dies sind die Forderungen nach Nationalisierung des Bodens.«20 59

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