Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Tobias Mindler: Die Medienelite des Burgenlandes. Zeitungslandschaft und Journalisten von 1921 bis 1945

Ausbildung im journalistischen Sinne gab es nicht. Diese wurde erst im Laufe des Zweiten Weltkrieges von den Nationalsozialisten eingeführt, um alle „Schrei­berlinge” gleichzuschalten.29 Inwiefern diese Maßnahmen auch das Burgenland betrafen ist nicht bekannt. Es fällt jedoch auf, dass bei einigen Mitarbeitern keine entsprechende journalistische Ausbildung, wie sie im § 5 des Schriftleitergesetzes gefordert wurde, festgestellt werden konnte. Nur bei wenigen der untersuchten Personen lässt sich eine profunde journalistische Ausbildung nachweisen.30 Bei Josef Gamauf, einem Journalisten aus Neustift bei Schlaining, kann sogar mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass dieser seine journalistische Tätigkeit als Laie aufnahm und keinerlei (oder wenn, dann nur geringe) einschlägige Vorbildung besaß.31 Gerade in den ersten Monaten nach dem „Anschluss” wurde auch „Know how” aus dem „Altreich” importiert, doch die meisten in diesem Zeitraum im Bur­genland tätigen Journalisten können als Burgenländer angesehen werden. Nur einige wenige Personen kamen aus anderen Gebieten aus dem In- oder Ausland, zu manchen Personen fehlen diesbezügliche Informationen. Als Beispiele für den Im­port von auswärtigem „Know How” können Dr. Pankraz Kruckenhauser, Dr. Jakob Prah und Dr. Wilhelm Kaffl genannt werden. Letzterer, ein Zeitungsfachmann aus München, wurde aus dem „Altreich” geholt, um der „Grenzmark Burgenland” in den ersten Monaten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Gerade für den Zeitraum 1938 bis 1945 liegen auch mehr Informationen über die politische Gesinnung der Journalisten vor. Hier kann festgehalten werden, dass die meisten Journalisten dem nationalsozialistischen Gedankengut sehr nahe stan­den und sich nicht nur mit der Partei arrangierten, um ihren Beruf weiter ausüben zu können. Einige von ihnen waren bereits in der „illegalen Zeit” aktiv gewesen und bekleideten wichtige Ämter in der Partei. In Bezug auf das Verhältnis zum Na­tionalsozialismus lässt sich ein interessanter Unterschied zwischen der „Oberwar- ther Sonntags-Zeitung” und der „Grenzmark-Zeitung”, jenen beiden Zeitungen, die zu diesem Zeitpunkt erscheinen durften, ausmachen. Die Mitarbeiter ersterer wa­ren hauptsächlich Journalisten, die im Zuge der Ereignisse zu Nationalsozialisten wurden bzw. sich in irgendeiner Form mit dem Regime arrangierten. Bei der „Grenz­mark-Zeitung” gingen einige Personen den umgekehrten Weg: Sie waren zuerst treue Parteimitglieder und wurden im Zuge ihrer Anhängerschaft zum Nationalsozialismus im journalistischen Bereich tätig, um damit der Partei dienen zu können. In Bezug auf die Herkunft und soziale Schicht der Journalisten lässt sich eindeutig feststellen, dass ein Großteil der untersuchten Personen Lehrer und/ oder Akademiker waren, sie gehörten also der gebildeten Bevölkerungsschicht an - ein Umstand, der bereits mehrmals angesprochen wurde. Die Zeitungen selbst suchten gezielt Mitarbeiter in diesen Gruppen, so zum Beispiel die „Grenzmark Burgenland” mit einem Aufruf an die Lehrerschaft, bei diesem Blatt mitzuarbeiten: 160

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