Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)
Tobias Mindler: Die Medienelite des Burgenlandes. Zeitungslandschaft und Journalisten von 1921 bis 1945
„Lehrerkameraden! Leset, verbreitet und werdet Mitarbeiter der ,Grenzmark Burgenlandi]”.32 Der Ansturm dürfte aber doch etwas zu groß geworden sein, denn bereits einige Monate später schrieb die „Grenzmark-Zeitung”: „An unsere Mitarbeiter! In der letzten Zeit werden an unsere Zeitung derart große räumliche Anforderungen gestellt, so dass wir nicht in der Lage sind, alle einlaufenden Berichte sofort zu veröffentlichen. Es möge uns daher niemand gram sein. Die Arbeit der einzelnen Ortgruppe [sic!] erscheint auch mit einer vielleicht späteren Würdigung nicht herabgesetzt.”33 Auch über die Glaubenszugehörigkeit der einzelnen Journalisten können Angaben gemacht werden. Die in der Fachliteratur immer wieder konstatierte überdimensionale Affinität der evangelischen Kirche zum Nationalsozialismus kann für den Bereich der burgenländischen Journalisten nicht bestätigt werden. Die Glaubenszugehörigkeit zur katholischen bzw. zur evangelischen Kirche war bei den Journalisten in etwa gleich stark vertreten. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Mitarbeiter in den Redaktionen fix angestellt waren, was das Ausmaß an Professionalität erhöhte. Neben diesen hauptberuflich Angestellten gab es offenbar keine nebenberuflichen Journalisten. Wer sich in seiner Freizeit journalistisch betätigen wollte, hatte aber die Möglichkeit, dies in Form von Gastartikeln zu tun, was bei den untersuchten Zeitungen häufig vorkam und von den Redaktionen auch erwünscht war. Es gibt jedoch keinerlei Anhaltspunkte über eine Bezahlung dieser Tätigkeit, man kann eher davon ausgehen, dass diese Aktivitäten auf ehrenamtlicher Basis erfolgten. Die „Oberwarther Sonntags-Zeitung” und die „Grenzmark-Zeitung” waren trotz des erwähnten teilweise gegebenen journalistischen Laientums professionell gestaltet. Die Erfolgsmerkmale einer Zeitung, die in der Publizistik und Kommunikationswissenschaft oft genannt werden (Periodizität, Universalität, Aktualität und Publizität) waren bei beiden Blättern durchaus gegeben. Auch einige Rückschlüsse über das Alters- und Geschlechterverhältnis können gezogen werden. Was ersteres betrifft, so ist auffallend, dass viele der Journalisten relativ jung waren. Die meisten Personen kamen zwischen 1902 und 1911 zur Welt, waren also zur Zeit des „Anschlusses” unter 40 Jahre alt, einige sogar unter 30. Das Geschlechterverhältnis entspricht den üblichen Verhältnissen der damaligen Zeit. Im journalistischen Bereich waren im Burgenland nur zwei Frauen tätig (Käthe Pankowsky und Silvia Peterlongo).34 Im Landesverband „Alpen-Donau” des „Reichsverbandes der deutschen Presse” - jenem Landesverband, dem Österreich eingegliedert war - waren Ende 1944 (also zu einem Zeitpunkt, zu dem der Frauenanteil durch einen kriegsbedingten Männermangel schon etwas höher war) 158 (rund 14,4 Prozent) von insgesamt 1099 registrierten Mitgliedern Frauen.35 Welche Stellung die Journalistinnen in den burgenländischen Redaktionen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen hatten, konnte nicht festgestellt werden. 161