The Hungarian Student, 1958 (3. évfolyam, 1-2. szám)

1958-10-01 / 1. szám

Quellen als sonst bei Versuchen dieser Art. Zwei der Kurzgeschich­ten sind gemäßigter im Ton, oft gedämpft, aber sie vermitteln im­mer noch eine Ahnung von dem, was an literarischem Stil und an menschlicher Gestaltung hinter ihnen steht. Die Kurzgeschichten wurden sorgfältig ausgewählt; auch fanden nur solche Aufnahme, die bereits einmal in Ungarn publiziert wor­den sind, wodurch der Band einen besonderen Wert als Dokument erhielt - und zwar sowohl in bezug auf die Breite des literarischen Lebens in Ungarn als auch als Überblick über den ehrlichen Teil der Literatur hinter dem Eisernen Vorhang. Daß die Auswahl ob­jektiv getroffen wurde, geht daraus hervor, daß unter den fünf im Band aufgenommenen Autoren drei zugegebenermaßen Marxisten sind und auch den anderen sozialen Problemen aufgeschlossen ge­genüberstehen. Die Zusammenstellung des Bandes ist in ihrer Aus­wahl unvoreingenommen und in ihrem Dokumentationscharakter überzeugend. Die Herausgeber mußten bei Anwendung dieses Gesichtspunktes auf die Aufnahme von Werken besserer Qualität verzichten, die nicht den gleichen dokumentarischen Wert besaßen. Die von Wil­­mos Juhász und A.Rothberg getroffene Auswahl ist ausgezeichnet. Ihre kurze Einführung geht im Detail auf Standort und Lage der ungarischen Literatur in den stalinistischen und antistalinistischen Perioden der ungarischen Geschichte ein und gibt einen Abriß der von den Autoren eingenommenen Haltung in einem Kampf, der schließlich zur Revolution führte. Die Fußnoten verdienen beson­deres Lob. Nur in dem einen Falle sind wir nicht einverstanden: Wir halten das literarische Schaffen von Lajos Kónja für weniger bedeutend als die Herausgeber des Bandes. Abgesehen davon aber gehen wir mit der Einführung und den Fußnoten, deren Genauig­keit, gründliche Sachkenntnis und eindringlicher Stil den Anforde­rungen eines literarischen Essais genügen, in vollem Umfang einig. Wir müssen auch - was eigentlich an den Anfang gehört - die ausgezeichnete Arbeit der Übersetzer István Deák, Sándor Har­­sányi und Agnes Dobos erwähnen. Das Buch gibt uns Grund zur Hoffnung, daß eines Tages die Legende vom Exotismus der «ost­europäischen Literatur» verschwinden oder nur noch in einer Hin­sicht bestehen bleiben wird. Denn ist es nicht exotisch, daß trotz Armut, trotz der drohenden Gewalt des totalitären Staates die Au­toren und ihre Werke, ja sogar die meisten Gestalten, mit denen sie sich befassen, nicht ent-, sondern wiedervermenschlicht werden?

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