The Hungarian Student, 1958 (3. évfolyam, 1-2. szám)
1958-10-01 / 1. szám
Aktuelles Die drei skandinavischen Regierungen luden Chruschtschow ein, einen freundschaftlichen Besuch im Sommer zu machen. Die Einladung hatte in den Zeitungen ein scharfes Echo. Der «Aftonpost» schreibt: «Haben wir vielleicht Ungarn schon vergessen? Lebt vielleicht die Erinnerung an die Toten nicht mehr in der Seele der Ministerpräsidenten? Sie alle müssen wissen, daß das norwegische Volk Chruschtschow nicht sehen will!» Morgenblade: «Es ist möglich, daß die Regierung Chruschtschow einlädt. Aber es wäre besser, vorher das Volk zu fragen. Die Antwort wäre eindeutig! Alle Völker scheuen vor den blutigen Händen!» In der Universität Uppsala hatte Borisov, höherer Angestellter der russischen Gesandtschaft in Schweden, am 12. Februar einen Vortrag gehalten über das Thema «Die Sowjetunion und die Vereinten Nationen». Der Referent hatte die bekannten Banalitäten repetiert. Schon während des Vortrages murmelten die Zuhörer hie und da. Das höchste Interesse fanden die dem Vortrag folgenden Fragen. Der Referent gab oft keine gerade Antwort: «Ich verstehe die Frage nicht, leider kann ich es nicht beantworten» oder «Auf diese Frage habe ich schon im Referat Antwort gegeben» waren einige Ausflüchte. Hier ein paar Beispiele: Frage: Was waren die militärischen Aktionen in Ungarn, Polen, Ostdeutschland ? Kann man das Krieg nennen ? Antwort: Nein, es war kein Krieg, es war Ordnung, Widerstand und Organisationsmanöver. Frage: Was ist Ihre Meinung, war es daher recht, zu morden? Antwort: Ich hörte die Frage nicht gut!... Wenn Sie über Mörderei sprechen; morden ist absolut unrecht, das darf man nicht machen. Frage: Was passierte im Oktober 1956 in Ungarn? Antwort: Die Geschichte buchte diese Tage als faschistische Gegenrevolution! Frage: Was geschieht in den ungarischen Konzentrationslagern und mit den zehntausenden Internierten? Antwort: Diese Frage kenne ich nicht, ich war noch nie in Ungarn. 32