The Hungarian Student, 1958 (3. évfolyam, 1-2. szám)

1958-10-01 / 1. szám

deren «élan vital» nach fünf Jahren ungebrochen bleibt, die von dieser Geschichte als von einem alltäglichen Ereignis sprechen. War es alltäglich? Wir können diese Frage am besten beantworten, in­dem wir den Taxichauffeur aus «Love» zitieren: «Mein Schwager saß auch zwei Jahre.» Szabo Pál Szabó, der aus dem Volk stammt, schreibt über ein an­deres alltägliches Ereignis im ungarischen Leben; von einem Kriegs­gefangenen in Rußland, der nicht zurückkehrt. Pal Szabo, der sich aus der tiefsten Armut emporkämpfte, um Schriftsteller zu werden, schreibt in seiner Kurzgeschichte von einem vielleicht noch bittere­ren Kampf; in seinem literarischen Schaffen muß er sich seinen Weg vom Stande eines wohlhabenden Mitgliedes der «neuen Klasse» zu demjenigen eines Schriftstellers zu rück erkämpfen, der das Schicksal des Arbeiters beobachtet. Die Geschichte, die er einfach und offen diskutiert, stellt für ihn eine Katharsis, einen Wendepunkt in seinem Leben als Schriftsteller dar. Wir müssen auch die beiden jüngeren in diesem Band vertretenen Autoren erwähnen: Miklós Gyárfás, der den Kleinbürgercharakter des Kommunisten im öffentlichen Leben mit Verständnis und einer Spur traurigem Sarkasmus beschreibt; und Ferencz Santha, Schüler des sozialistischen Realismus, der - trotz seiner ideologischen Kon­ditionierung - einen Augenblick seines Lebens in ziemlich gleich­förmigen Grau-in-Grau-Tönen erzählt. Seine Beschreibung kann am ehesten mit einem öffentlichen Platz in einem italienischen neo­realistischen Film — schön und gleichzeitig deprimierend - vergli­chen werden. Paradoxerweise ist der vierte in diesem Bande erscheinende Au­tor, Aron Tamasi, der optimistischste. Seine Gedanken entwickeln sich in den starren Grundsätzen der Gesellschaftswissenschaften. Er glaubt immer noch, daß der Rhythmus des Jahreszeitenwechsels, von Geburt und Tod, die unveränderliche Ordnung dieses in seiner Ein­fachheit grundlegenden Geschehens, früher oder später über die stupiden, von Menschen zusammengetragenen Theorien siegen wer­de. Tamasi ist ein Exponent der neuen, modern-mystischen Lite­raturrichtung, als deren Meister Giono gilt. Tamasis Stil jedoch wurzelt vielleicht noch tiefer im Volk als derjenige Gionos, und zwar besonders, weil er ein Wahrer der auf die Avarén zurück­gehenden Szekelykultur und ihres Geistes ist. In seinen Werken wechseln Wortspiele und surrealistische Volkswunder in rascher Folge. Die Vitalität seiner literarischen Sprache entspringt tieferen 30

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