Mocsáry Sándor szerk.: Természetrajzi Füzetek 23/1-4. (Budapest, 1900)

1-2. szám

72 J. BERNÁTSKY LINSZKY, von GARCKE, FRITSCH, KOCH) war es unmöglich über die Zugehö­rigkeit der fraglichen Pflanze ein Urteil zu fällen. Herbarstudien im Ungarischen National-Museiun ergaben, dass die überall hervorgehobene Flaumigkeit oder Weichhaarigkeit der Stengelteile von Polygonatum lati­folium nicht konstant, wenigstens bei Herbarpflanzen schwer zu beobach­ten ist. Was man über dieses angeblich wichtige Merkmal zu halten habe, davon überzeugte ich mich noch ausserdem gelegentlich einer Reise in den südlichen Teil des ungarischen Tieflandes ; ich fand nämlich mehr­mals Gruppen von Poligonatum latifolium, wo zwischen reich behaarten Exemplaren auch ganz kahl scheinende wuchsen. Da also die makroskopische Untersuchung in dem gegebenen Falle nich genügte, wandte ich mich dem anatomischen Verfahren zu. Zuerst musste festgestellt werden, ob und in wie fern aus dem Herbar genommene Vertreter der drei genannten Arten von einander anatomisch zu unter­scheiden sind. Die vorgenommene vergleichende anatomische Untersuchung ergab folgendes : Querschnitt des Blattes oder des Stengels zeigen gar keine unter­scheidenden Merkmale, abgesehen von den Tricliomen bei Polygonatum latifolium. Irgendwelche Unterschiede sind wohl vorhanden, jedoch sind dieselben so geringfügig, dass selbe systematisch nicht verwertet werden können. Desto charakteristischer für die einzelnen Arten ist die Blattepi­dermis. 1. Wenn man die Epidermis der Unterseite des Blattes von Polygo­natum multifiorum auf die bekannte Weise untersucht, sieht man, dass die Zellen, der Längsachse des Blattes entsprechend, in parallelen Beiben angeordnet sind. Ober den Blattnerven sind sämmtliche Zellen in die Länge gezogen und sehr schmal. Weiterhin findet man zwischen den we­niger schmalen, aber auch ziemlich langen Zellen die Athmungsorgane, welche regelmässig in parallelen Reihen liegen. Es sei hervorgehoben, dass die Zellen hier im Durchschnitt drei-bis viermal so lang als breit sind, obwohl auch ganz kurze Zellen, jedoch auch noch längere vorkom­men. Die Seitenwände dieser Zellen erscheinen als wenig gebogene, hie und da kaum merkbar wellige Linien. (Siehe 1. Figur im ungarischen Texte auf Seite 68.) 2. Die Seitenwände der Epidermiszellen von Polygonatum latifolium stellen in grossemMaasse gebrochene Linien dar. Diejenigen Zellen, welche oberhalb der dünnen Blattnerven, oder aber nahe zu den dicken, hervor­tretenden Blattnerven zu liegen kommen, sind länger als die übrigen und ihre Seitenwände erscheinen als lange Zickzacklinien. Die übrigen haben

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