Mocsáry Sándor szerk.: Természetrajzi Füzetek 23/1-4. (Budapest, 1900)
1-2. szám
ANATOMISCHE BESTIMMUNG EINHEIMISCHER POLYGONATUM-ARTEN. 73 — ausserhalb denen, die genau oberhalb der dicken, stark hervortretenden Blattnerven liegen und lang gestreckt, schmal und geradrandig sind — eine kurze, gedrängte Gestalt und ihre Seitenwände zeigen nur wenig Biegungen. Die Anordnung und Lage der Atlimungsorgane ist eine weniger regelmässige, als bei der vorigen Art. (Siehe 2. Figur im ungarischen Texte auf Seite 70.) Ausserdem fallen die längs den Blattnerven angeordneten einzelligen, einfachen, länglichen Haargebilde auf, die bei einzelnen Individuen in grosser bei andern jedoch in geringer Menge vorkommen und in diesem Falle leicht übersehen werden. Eben solche dürftig behaarte Exemplare von Polygonatum latifolium dürften Anlass zu einer anatomischen Untersuchung geben. Man kann aber die Trichome ganz ausser Acht lassen und sich allein auf die Gestalt der sonstigen Zellen stützen, denn dieselbe ist für diese Art sehr charakteristisch und konstant. 3. Die Blattepidermis von Polygonatum officinale ist mehr der von Polygonatum multiflorum, als der andern Art ähnlich, indem' die Seitenwände auch hier niemals winkelig gebogen sind. Immerhin besteht ein auffallender Unterschied auch für diese zwei Arten. Die Zellen von Polygonatum officinale sind nämlich — allgemein genommen — eben so lang wie breit und nur ausnahmsweise ein-zweimal länger als breit. Gestreckte Zellen gibt es nur längs der Blattnerven. Ferner ist auch die Anordnung und Lage der Atlimungsorgane eine ziemlich unregelmässige, indem sie in weniger auffallend parallelen Reihen liegen, als bei Polygonatum multiflorum. Diese Unterscheidungsmerkmale der Blattepidermis sind so auffallend und charakteristisch, dass auf Grund derselben welche immer der drei Polygonatum-Arten leicht, schnell und zweifellos eruirt werden kann. Nun war es eine leichte Aufgabe, das fragliche Individuum zu bestimmen. Vorgenommene anatomische Prüfung ergab, das es sich wirklich um die Art handelte, an welche man im ersten Augenblick denken musste, d. i. Polygonatum multiflorum. Ich bemerke besonders, dass anatomisch kein Unterschied zu finden war zwischen dem fraglichen Individuum und solchen, die aus andern namentlich gebirgigen Gegenden herstammten. Ohne anatomische Prüfung hätte man sich versucht gefühlt, in der fraglichen Pflanze eine neue Varietät zu suchen. Nach derselben jedoch muss dies nicht nur für überflüssig, sondern selbst für unrichtig gehalten werden. Als Consequenz ist jedoch abzuleiten, dass die Ungestieltheit der Blätter von Polygonatum multiflorum gegenüber der Gestieltheit der Blätter von Polygonatum lati folium nicht hervorgehoben werden darf als Charakteristicum der Art ; ferner soll als Zahl der Blüten an einem Blüten-