Mocsáry Sándor szerk.: Természetrajzi Füzetek 22/1-4. (Budapest, 1899)
1. szám
58 ALADÁR RICHTER rangen ersichtlich, eine unrichtige, beziehungsweise in Folge irrthümlicher systematischer Auffassung unter solchen Nanien in der Cultur der botanischen Gärten fälschlich beibehaltene. Sehr oft, hauptsächlich bei physiologischen Arbeiten, sehen wir die oft ganz verfehlte Nomenclatur der botanischen Gärten angewandt.* Die bekannte Beschreibung passt nicht in jedem Punkte mit vollkommener Genauigkeit auf die Marcgravien des botan. Gartens zu Graz und besonders nicht in Bezug auf die Stellungsverhältnisse .der Blätter. So z. B. trieb Marcgravia dubia aus ihrem dünnen Stamme zwei Zweige, deren einer (orthotrop) thatsächlich freistehende und lederartige Blätter besass (Tab. II, Fig. 2), während der andere Zweig (plagiotrop) mit seinen in zwei Reihen geordneten und gänzlich abweichend geformten, fleischigen Blättern sich fest an einen trockenen Baumstamm schmiegte (Tab. II, Fig. 1). Jedoch der unterste Theil des letzteren, also sterilen Zweiges, schmiegte sich unmittelbar ober der Abzweigung nicht an das Substrat (pro parte «ramus liber»); seine Blätter standen thatsächlich auch vom Stamme ab und waren von derselben Beschaffenheit, wie die lederartigen Blätter des als orthotrop genommenen, also freistehenden Zweiges. (Tab. 11, Fig. 2). Zwischen diesen Blättern des plagiotropen und orthotropen Zweiges war also morphologisch, ja auch anatomisch kein Unterschied festzustellen. Darnach wäre das BENTHAM-HooKER'sche « folia . .. saipe heteromorpha » in gewissem Sinne eine vorsichtigere Bezeichnung und BAILLON's «ramus Uber» im Gegensatze zu WITTMACK'S «rami eximie dimorplii» physiologisch treffender und würde die Marcgravia dubia aus dem Kreise der Marcgravien nicht auszuschliessen sein, wie ja auch diese Pflanze thatsächlich dorthin gehört. Da die Marcgraviaceen Mitglieder der Flora des tropischen Amerika sind, ist es auffallend, dass wir unter den Arten der Flora Brasiliens die Marcgravia dubia vergeblich suchen, obwohl doch auch sie in den botanischen Gärten ziemlich verbreitet ist. Ihren Namen treffen wir nur in der Anmerkung unter dem Titel «Species dubise», wo auch WITTMACK** sich folgendermassen äussert : «4. Marcgravia dubia H. B. K. est ramis scandentibus, foliis latocordatis, basi obliquis, apice acutis, statu fertili ignota. In horto William Bull. Londini culta et in Gard. Cliron. n. ser. VIII. 13, Fig. 1 et 2 sub nomine (ad interim) M. parado ra figurata, nuperrime a nobis visa, nunc * »Pothu» ceratocaulis » statt Pulhos relatocaulis etc. — Z. B. siehe die ANinerk. ENGLER's in DE CANL. Monogr. Phanerog. II. ** Flora Brasiliensis, 1. c. pag. 234.