Szemészet, 1910 (47. évfolyam, 1-4. szám)
1910-05-08 / 1. szám
120 Jodoformgazestreifen eingelegt wird. Heilung per primam, ohne Störung. Wurde mit nicht auifallend eingezogener Stirnhöhlengegend nach Hause entlassen. Pat. vertrug die in reiner Kokainanästhesie ausgeführte Operation ganz gut. Betrachten wir nun diese vier Fälle, so haben wir in allen so ziemlich dasselbe Bild. Es sind typische Fälle der sogenannten Mukokele frontalis, beziehungsweise fronto-ethmoidalis. In allen vier Fällen finden wir im inneren Augenwinkel oberhalb des inneren Lidbandes eine von normaler Haut bedeckte, ziemlich scharf abgegrenzte, fluktuierende, unempfindliche, auf Druck sich nicht verkleinernde Geschwulst, welche die Lidspalte verengend, den Bulbus mehr-weniger verdrängend, die Befallenen zuerst zum Augenarzt führt. Der Bulbus und Nervus opticus bleibt auch bei sehr hochgradiger Entwicklung der Ektasie meistens intakt, da die Verdrängung des Bulbus und die mögliche Dehnung des Nervus opticus bei der äusserst langsamen Entwicklung der Ektasie ganz allmählich geschieht. Beweise für die langsame Entstehung sind die meist sehr starken ßesorptionserscheinungen an den Knochenwänden der Stirn- und Siebbeinhöhlen, wie wir das auch in unseren Fällen fanden. Die grossen Defekte an den Knochenwänden kommen durch den langsam, aber immer steigenden Druck zustande, welcher durch die sich stets vermehrende Schleimansammlung bewirkt wird. Auch der Schwund der Zwischenwände der Siebbeinzellen ist diesem fortwährend steigenden Druck zuzuschreiben, wodurch dann das Siebbeinlabyrinth in eine einzige grosse Höhle umgewandelt wird. Die Schleimansammlung kommt infolge des Verschlusses des Ductus nasofrontalis und der Ausführungsgänge der Siebbeinzellen zustande. Dieser Verschluss ist das Resultat der Entzündungserscheinungen, welche teils in der Nasenhöhle, teils in den befallenen Nebenhöhlen bestehen. Im Falle II und III waren die Entzündungsvorgänge in der Nasenhöhle ohne weiteres sichtbar; im Falle I und IV war zwar die Nasenhöhle ganz normal, jedoch traten die entzündlichen Veränderungen in den Nebenhöhlen ganz klar zu Tage. Diese Entzündungen können ohne irgendwelche auffällige Erscheinungen viele Jahré hindurch in der Stirnhöhle und in den Siebbeinzellen bestehen, wie ja schleichend verlaufende, chronische Entzündungen in allen mit Schleimhaut ausgekleideten pneumatischen Knochenhöhlen des Kopfes nichts seltenes sind. So sind dann die Verklebungen in den Ausführungsgängen leicht erklärlich und hat die Auffassung G. Killiansder diese Ektasien der Stirn- und Siebbeinhöhlen zu den chronischen Sinusitiden rechnet und sie unter dem Namen „Sinusitis frontalis chronica cum dilatatione“ zusammenfasst, viel Wahrscheinlichkeit für sich, ja diese Meinung wird durch unsere Befunde geradezu gestützt. Auch war es in jedem meiner Fälle die Schleimhaut der Stirnhöhle, welche sich durch den Defekt des Stirnhöhlenbodens hindurch unter die äusseren Weichteile hervordrängte und konnte ich trotz genauen Zusehens bei der Operation keinen besonderen Cystensack entdecken, welcher eine andere Erklärung der Entstehung, als die gegebene, zuliesse. Bezüglich des operativen Vorgehens sei nur kurz folgendes bemerkt: Man kann diese Fälle wohl auch allein von der Nase aus operieren, wie 1 1 G. Killian: „Die Krankheiten deT Stirnhöhle“ in Paul Heymanns „Handbuch der Laryng. u. Rhinologie“ (Bd. III, 2. Pag. 1124.) '