Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat
Der Führer durch die FJusftellung. fidenten der Republik, Armand Falliéres, von A. Charles ftand. Jm Schranke waren prächtige Piftolen, eine Reihe Sévres-Biskuits, Bronzen von Baryl untergebracht. Außerdem ftand hier ein Kanapee und zwei Fau= teuils aus gefchnitjtem und vergoldetem Holze, überzogen mit Nachbildungen von Stoffen aus der königlichen Manufaktur von Beauvais; ein Schirm aus vergoldetem Holze, zwei folche Seffel, angeblich einft Maria Antoinette gehörig; eine Uhr aus vergoldeter Bronze »die Schäferin« nach einem Original aus dem XVIII. Jahrhundert u. a. Erwähnenswert find weiters zwei Empire-Kandelaber aus dem Schlöffe von Fontainebleau und ein Paftell — franzöfifche Schule des XVIII. Jahrhunderts — darftellend den Herzog von Chenon=Ceaux als Jäger. Von hier aus gelangte man zwifchen jonifcben Säulen ins Speifezimmer, in dem ein Gobelin aus der Serie der Maximilianifchen Jagdftücke (XVII. Jahrhundert) nach Zeichnungen und Kartons von Albrecht Dürer, beziehungsweife Bernard van Orley hing. In der Mitte der Kompofition »Das Frühftück im Walde«, ein gedeckter Tifcb, an dem der König mit feinem Gefolge Plat} genommen bat. Die Dienerfchaft ift befcbäftigt mit dem Auftragen von Speifen und der Wartung der Hunde. Zur Linken ein Jagdburfcbe, der Waffer aus einer Quelle fcböpft; im Hintergrunde zwei Pferde. Als Bordüre Lorbeergewinde, Blätter, Blumen, Früchte, Vafen, Vögel etc. Zu unterft eine Bordüre nach Ort eines Basreliefs mit Tritonén und anderen Meeresgottbeiten, einfärbig, in vergob deter Bronze gehalten. Das Stück fymbolifiert den Monat Oktober und ift mit dem Zeichen des Skorpions figniert. Das Meublement beftand hier aus einem langen Tifcb, zwölf Sef= fein aus lackiertem Hob ze im reinften Stil Lud-wigsXV. DerTifcb war auf einem prächtigen flandrifcben Tifcbtucb mit Venezianer Spitjen für zwölf Perfonen in Gold gedeckt. In der Mitte ftand ein Tafelauffat) »die Jagd« von Oudry und Biskuits aus derNationalmanu-faktur vonSévres.Vier Bilder von Lépaulle, »Zufammenkunft zur Jagd.« Gobelin aus der Serie Maximilianifcher Jagdftücke. »La Muette.« darftellend die Meuten des Prinzen von Wagram, bildeten den Wandfcbmuck. Rechts vom Spei-fefaal gelangte man ins Rauchzimmer. An der Wand zwei Gobelins aus der Maximilian^ feben Serie, darfteilend die »Zufammenkunft zur Jagd«, den Monat Juli fymbolifierend (Zeichen des Löwen) und die »Rückkebrvon der Jagd« (Jänner, Zeichen des Waffermannes). Das erftge-nannte Stück zeigte rechts eine Gruppe Jäger, die gerade den Rapport des Piqueurs entgegennimmt, während links Jagdbur-feben Hunde an der Leine führen, um fie auf die Fährte zu bringen, aufweiche einer von ihnen binweift. Im Hintergründe zur Linken ein Teich, dann in weiter Ferne eine Kirche, ein Schloß und Park. Ein uralter Baum teilt das ganze Bild in zwei gleiche Teile. Huf dem zweiten Gobelin iah man Jäger mit Speeren, Geweihe tragend und Hunde führend. Im Hintergrunde Jäger zu Pferd, Piqueurs und Jagdburfchen mit einem erlegten Eber. In der Ferne ein Schloß und Waldungen. Die Umrahmung diefer beiden Teppiche ift diefelbe wie bei dem eingangs befebriebenen Gobelin aus der Serie der Maximilianifchen Jagdftücke. Überdies hingen in diefem Räume Ölgemälde von John Levis Brown und Lépaulle. In vier Ständern waren prächtige alte Gewehre aus dem XVIII. Jahrhundert aus den Sammlungen des Grafen Nikolaus Potocki, des Prinzen von Wagram, des Herrn Faure-Lépage und des Grafen Clary ausgeftellt, darunter zwei Einläufer, die König Ludwig XVI. dem Oberften Bertbier am Abend des 5. Oktober 1789 zu Verfailles gefchenkt hat, dann eine Perkuffionsflinte von Charles Lancaster aus dem Befitje Napoleons III. Die Konfolen des Speife- und Rauchzimmers zierten Sévres d'Oudry-Biskuits, dann folche vom Grafen de Ruillé ufw. Bronzen von Barye und ein prächtiges Jagdgewehr mit Zubehör im Originalkoffer von Boutet in Verfailles. Vom Speifefaal führte zur Linken eine Treppe in das Obergefcboß. Ober dem Stiegenabfatj, der mit einem in Scbmiedeeifen kunftvoll nach franzöfifcher Manier gearbeiteten Geländer abfebloß, hing ein anderer Gobelin aus der mehrmals genannten Serie von Jagdftücken Kaifer Maximilians, darftellend den »Aufbruch zur Jagd« (September, Zeichen der Wage). Feftgebalten ift der Moment, wo ein bober Jagdberr fein Roß vor einem Teiche anhält, in den der gebetjte Hirfcb gefprungen ift. Hinter ihm Jäger und Amazonen zu Pferd, begleitet von Piqueurs und Jagdburfchen mit Hunden an der Koppel. Zur Linken ein Kahn mit 3 Perfonen bemannt; im Hintergrunde Häufer, zur Rechten Wald. Daneben war ein Seidenteppich aus der Nationalmanufaktur von Beauvais gefpannt. Das Kunftwerk, dem Nationalmobiliar entnommen, war in Kleinfticb ausgeführt und ftellte einen franzöfifeben Spaniel, ein 66