Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Husftellung. Rothuhn vorftehcnd, dar. Vom erften Stocke blickte man von einer Galerie in den Saal des Erdgefcboffes. Diefe war von zwei Figurinen im Koftüme der »Equipage de Valon« flankiert, während in der Mitte der Galerie eine Ko­ftümfigur des kaiferlicben Jagdperfonales aus der Zeit Napoleons III. ftand. Im Hauptfaal diefes Gefcboffes fab man wertvolle Bilder, vor allem einen berühmten Courbet (»La Bicbe forcée sur la neige«) und vier äußerft feltene kolorierte Lithographien von Horace Vernet: »La classe au Daim«. Hier war auch die ebenfo intereffante wie aparte Kollektion von Wappenknöp­fen exponiert, welche das Jagdper­fonal und die Befitjer verfcbiede­ner »Jagd-Equipagen« trugen. Die Sammlung ift von der Gräfin Mont­saulnin angelegt. Die älteften Stücke, die den Koftümen der Jagdberren entnommen waren, gehörten »Jagd­equipagen« nachgebender Befitjer: Marquis de l'fligle (1790), Vi­comte de la Besge, de Bois-Fleury, der um das Ende des XVIII. Jahr­hunderts jagte; dann nach 1830: Graf de la Broise, de Bejarry, Her­zog von Talleyrand, Marquis de Beaucaire, Herzog von Maillé, Graf vonDampierre; endlich vor 60jabren: Graf von Daune, Graf von Puységur, Marquis de Luart, Graf von Boberil, Graf von Cbabot, Vicomte de Cbezelles. Die älteften Equipagen ftam­men aus den Jahren 1790 bis 1808. Portal des Luriaparkes bei Beleuchtung. Im Nebenzimmer waren aus­geftellt Gemälde, Paftelle und Hqua­relle mit jagdlichen Vorwürfen von Alfred de Dreux, Ernft Bellecroix, Goubie, 0. de Penne, Eduard Merite, Jules und Gafton Gélibert, Jadin, Georges Buffon, Rötig, Malber u. a. Die Wände der Räume der »La Muette« fcbmückten auch einige Tro­phäen von Hirfcben, die bei verfcbie­denen Parforcejagden zur Strecke gebracht worden find. Zu nennen wären hier fecbs Geweihe franzöfi­fcber Hirfcbe, erjagt mit der Meute Menier in den Forften von Villers­Cotterets und ein prächtiges lyra­förmiges Geweih, deffen Stangen­enden ficb ober dem Haupte berühr­ten. Diefe Trophäe, Hubertusbirfcb genannt, wurde gleichfalls auf einer Parforcejagd in den Forften von Or­leans erbeutet. Bevor wir uns dem näcbften Pavillon zuwenden, wäre noch des Lunaparkes, des Vergnügungsetabliffe­ments der fiusftellung, Erwähnung zu tun, deffen monumentales Portal den flbfcbluß der über dem flus­ftellungsteicbe gelegenen Verlängerung der Feftavenue bildete. Italien. Gegenüber dem Franzöfifcben Pavillon, jenfeits der Feftavenue, ftand das Repräfen= tationsbaus Italiens, eine Nachbildung des beute nocb beftebenden Haufes »der fcbönen Galliano« in Vitorbo, ein ruhig, vornehm wirkendes, von einem maifigen Eckturm über­ragtes Gebäude im Stile des XV. Jahrhunderts, das nach Plänen des italienifchen Archi­tekten Manfredo Manfredi, dem der zu Wien anfäffige Architekt Antonio de Torna zur Seite ftand, errichtet worden ift. Es umfaßte drei Säle im Erdgefcboffe und zwei Säle im erften Stocke. Im großen Parterrefaale, deffen Wände polychrome Wappen der italienifchen Städte in Form eines durchlaufenden Friefes fcbmückten, hingen an der Wand zwei lebensgroße Porträts Ihrer Majeftäten des Königs Viktor Emánuel III. und der Königin Elena. Um die Bilder herum waren Trophäen angebracht, vor allem eine reiche Kollektion von Steinbockgebörnen vom »Gran Paradiso«. König Viktor Emánuel, der ficb an der Ausftellung perfönlicb beteiligte, befcbickte diefelbe mit 12 kapitalen Stücken, die er felbft erbeutete und von denen eines von 97 Zentimeter Länge bei der Trophäen-Konkurrenz mit dem Rekordpreis ausgezeichnet worden ift. Dies find indeffen keinesfalls die ftärkften Trophäen diefer Gegend. In den königlichen Sammlungen befinden ficb Gehörne, die König Viktor Emánuel II. zur Strecke gebracht bat, welche die ausgefeilten an Stärke nocb weit übertreffen. So z. B. befindet ficb darunter ein Exemplar, das eine Länge von 107 Zentimeter, nach der flußenkrümmung gemeffen, aufweift. Das Steinwild war bekanntlich früher allenthalben in den flipen vertreten, mußte jedoch fchon im XVI. Jahrhundert durch Verordnungen vor übermäßiger Verfolgung gefcbütjt werden. Später drohte dem Wilde, das bis auf 25 bis 30 Exemplare in der Hocbgebirgsgruppe des Gran Paradiso (Val d'Hosta) zufammen­gefcbrumpft war, gänzliche Vernichtung, bis König Viktor Emánuel II. die entfprecbenden Vorkehrungen ge­troffen hatte, um diefes fcböne Wild dauernd zu erhalten. Im Jahre 1852 wurde von verfcbiedenen Gemeinden die Jagdbarkeit in der ganzen Gebirgsgruppe erpacbtet und folcberart ein großes Gebiet gefcbaffen, in dem ficb das Wild abfoluter Schonung erfreute. Der Erfolg diefer Maßnahme blieb nicht aus. In verhältnismäßig kurzer Zeit wuchs die Zahl des Wildes ganz bedeutend an, fo daß bereits 10 Jahre fpäter vom königlichen Jagdberrn die erften Jagden auf Steinwild abgebalten werden konnten. Heute wird der Stand, tro^dem all­jährlich die Lawinen zahlreiche Opfer fordern, auf über 1500 Stück gefcbätjt. Haupt eines Mufflonwidders, ltalienifcber Pavillon. 9* 67

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