Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat
Der Führer durch die Fíus ítellung. fchwingel, Festuca rupicaprina u. a. Nebftdem waren Rafenziegel von 15jäbrigen künftlicben Futterwiefen aus dem k. u. k. Hofjagdgebiete Ebenfee in voller Entwicklung zu feben. Doch auch Privatbetriebe baben ficb mit Objekten ibrer Tätigkeit auf diefem Gebiete eingefunden fo die Saatgutftation alpiner Gräfer und Futterpflanzen am Huttmannfcbweig auf der Saualpe in Kärnten. Daran reihte ficb eine Expofition verfcbiedener Produkte und chemifcber Präparate (Melaffekraftfutter, Wildzwiebacke, Leckfalze, Wildkalke etc.), die dem Wilde als Futter oder aber zur Hebung der Äfungsluft, beziebungsweife Förderung der Geweih-- und Knocbenbildung dargeboten werden. Schließlich erübrigt noch, die Objekte des letjten Programmpunktes zu erwähnen, die fcbönen Landfcbaftsaufnabmen, Waldinterieurs und Vegetationstypen aus den Aufenthaltsorten unferes Wildes — prächtige Erzeugniffe moderner Landfcbaftspbotograpbie, die jeden Naturfreund anheimeln und feffeln, die in manchem Jäger Erinnerungen an fcböne, im Dienfte Dianens verbrachte Stunden wecken mußten. Pavillon: Ethnographie. Im Rahmen eines fo weitausgreifenden Programmes, wie es ficb die Jagdausftellung geftellt hatte, mußte auch jenen Völkern ein Raum zugewiefen werden, die, auf noch niederer Kulturftufe ftebend, in der Jagd und Fifcberei die einzige oder mindeftens wicbtigfte Quelle ihres Unterhaltes finden. Über diefe Völkerftämme, die bei ihnen üblichen Metboden der Ausübung der Jagd und Fifcberei fowie die von ihnen hierbei geführten Waffen und fonftigen Geräte informierte den Aus= ftellungsbefucber der etbnograpbifcbe Pavillon, in deffen Befcbickung ficb zwei fo vornehme Inftitute, wie das königliche Mufeum für Völkerkunde in Berlin und das k. k. Naturbiftorifcbe Hofmufeum in Wien unter Mithilfe vonprivater Seite teilten. Erfteres übernahm die Bearbeitung der Stämme der Neuen Welt, lef)teres jener Afrikas und Afiens famt feinen InfelPavillon Habmeßalpe in Tirol. »Jagdlicher Unterriebt, fllp- und Weidewirtfcbaft« reichen. Das Berliner Mufeum ftellte überdies eine Sammlung von etwa 100 Objekten bei, die die Entwicklung von Pfeil und Bogen bei den Völkern Afrikas und des auftralifeben Archipels veranfehauliebten. Bei Berichtigung diefer Exponate drängte ficb unwillkürlich der Vergleich auf zwifeben dem modernen Jäger aus unferer Kulturwelt, der,mit den vorzüglicbften und neueften Errungenfebaften der Waffentecbnik ausgerüftet, der Jagd zumeift in gepflegten Revieren nachgeht und dem Eingeborenen, der meift nur auf die primitivften Erzeugniffe der eigenen Werkftatt oder einbeimifeber Handwerker angewiefen ift und ficb nicht feiten den gefäbrlicbften Raubtieren und größten Wildgattungen gegenüber fiebt. Daß bei diefen ungleichen Ausfichten auf Erfolg bei letjterem die Unzulänglichkeit der Hilfsmittel durch perfönlicbe Eigenfcbaften, eine vollkommene Vertrautheit mit den Lebensgewobnbeiten des Wildes, fowie die genauefte Kenntnis des Jagdgeländes wettgemacht werden muß, erfebeint erklärlich. Indeffen, fo primitiv die Waffen diefer Naturvölker auch find, fie zeichnen ficb doch zumeift durch eine einwandfreie Konftruktion und muftergiltige, präzife Ausführung aus. Dies fab man ganz deutlich an den ausgefeilten Objekten. Dabei mochte mancher, der die Jagdmetboden unferer Bauernjäger und das von ihnen verwendete Fangzeug aus eigener Anfcbauung kennt, über die Ähnlichkeit der Hilfsmittel bei diefen und jenen böcblicbft erftaunt gewefen fein. Die Objekte, welche nach Erdteilen, beziebungsweife Völkerftämmen geordnet waren und etwa 15 Sonderkollektionen aus Afien, drei aus Afrika und zwölf aus Amerika umfaßten, waren in Glaskäften an den Wänden des Pavillons untergebracht. Wir fahen an Jagdwaffen Bärenfpieße, allerhand Speere, Bögen, Pfeile, Köcher, Armbrüfte, Blasrohre, Jagdfcbwerter und Meffer, Tomahawks, Seebundbarpunen, Keulen zum Scblangentöten (Ceylon) u. a., ferner Selbftfcbußvorricbtungen, diverfe Fallenmodelle Pavillon »Ethnographie«. 29