Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Fíus ítellung. Schloßherrenpaar mit anfchließendem flnkleidezimmer und angegliedertem, mit allen modernen Einrichtungen verfehenem Badezimmer. Eine Dienerftiege verband Korridor mit dem Erdgefchoffe. Diefe {amtlichen Räume des Obergefchoffes zeigten durchaus modernen Charakter. Die Innen­einrichtung fowobl hier als auch im Erdgefchoffe kann als Glanzleiftung des Wiener Kunftgewerbes bezeichnet werden, das hier hinfichtlich Wahl der Formen, aus­erlefenen Gefcbmackes und präzifer Hus­fübrung feinen guten Ruf vollauf rechtfer­tigte. Die Entwürfe der Inneneinrichtung diefer Räume lieferten teils die Hrcbitekten: k. k. Baurat Franz Freiherrn von Krauß­Wien (Gaftzimmer mit Toilette und Hn* kleideraum), Cefar Poppovits-Wien (Wohn­zimmer mit Erkerausbildung), Alfred Keller­Wien (Frübftückszimmer mit Balkon und Konverfationsraum), Leopold Bauer-Wien (Schlaf- und Finkleidezimmer mit Balkon), teils die ausführenden Firmen: J. W. Müller (Halle und Stiegenaufgang), Bernhard Lud­wig (Speifezimmer mit Loggia und Office), Portois & Fix (Gefellfcbaftsraum mit Mu­fiknifche) und Friedrich Otto Schmidt (Her­renzimmer). Um auch denjenigen Gewerbetreiben­Gefellfcbaftsraum mit Mufiknifcbe im laqdfcbloß. , , , ,. . .. , , . , , i r r u c. u den, welche fich mit dem kirchlichen Kunft­Gtuppe »Kunftgewerbe«. gewerbe befchäftigen, Gelegenheit zu ge­ben, ihre Erzeugniffe in einem entfprechenden Milieu zur Schau zu ftellen, wurde dem Jagdfchloffe eine Kapelle mit Kreuzgang angegliedert. Diefe war entfprecbend dem beutigen Stande der Technik und den Hnforderungen des Materials ausgeftattet und enthielt den Hltar, ein Baptifterium, ein Orgelbarmonium, Sitjbänke und einige in die Wandverkleidung eingelaffene Vitrinen für die verfcbiedenen Stick-, Pofamentier-, Spieen-- und fonftige weibliche kunftge­werblicbe Handarbeiten fowie Kirchenge­rätfcbaften. Die in fchwarzer Eiche und Schnitzarbeit ausgeführte, rotweiß intar­fierte Wandverkleidung war mit Kreuz­wegbildern in Keramik verfeben; die Hltarnifche mit Kunftfteinarbeiten und Mofaik ausgekleidet. Das tonnenartige Ge­wölbe des Kapellenraumes, an das fich die fchmiedeeifernen Beleuchtungskörper logifcb anordneten, zeigte eine aparte Be­malung in einer neuartigen Sandmalerei­technik. Ein Mofaikbild »Maria mit dem Kinde« im Innern und der »Heilige Georg« an einer Außenwand der Kapelle fowie die Heiligenbilder in Kunftverglafung an den Fenftern vervollftändigten den bild­lichen Schmuck. Der rückwärtige Teil des Jagdfchloffes, der Kreuzgang und die Kapelle bildeten einen viereckigen Hof, welcher als Kapel­lenbof eine gartenkünftlerifcbe flusgeftal­tung erhielt und mit feinen gelungenen Wohnzimmer mit Erkerausbildung im Jagdfcbloß. , , , _ Gruppe »Kunftgewerbe«. Plaftiken und Bänken, fowie feiner Garten­laube einen ftimmungsvollen Eindruck machte. Seitlich vom Kapellengarten ftanden einige Grabfteine in ein­facher Ausführung aus Kunftftein. Um diefe baulichen Herftellungen herum war unter gefcbickter Husnüt}ung des vorhandenen prächtigen Baumbeftandes eine reizvolle Gartenanlage gefchafTen. Kleine Brunnenanlagen, Rubeplät3e in allen möglichen Materialien, ein Rubetempel, Blumenbebälter, Sitjbänke und Plaftiken aus Bronze, Keramik und Kunftftein, von den Bildbauern Gornik, Hannak, Kübnelt, Müllner etc. ausgeführt, vervollftändigten das Bild derfelben. 26

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