Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat
Der Führer durch die Husftellung. Für die graphifcbe Kunft und Photographie wurde angefichts des Umftandes, daß bei dieien Exponaten die richtige Belichtung das Haupterfordernis bildet, ein eigener Pavillon errichtet. Das Objekt, ganz felbftändig bebandelt und von den übrigen Baulichkeiten räumlich getrennt, zeigte den leichten, einfach gegliederten Stukkaturriegelbau, der an den Hußenwänden nur mit wenigen keramifcben Reliefs gefcbmückt war. Im Innern durchzog den Pavillon feiner Länge nach ein Gang, an den beiderfeits die mit Oberlicbte verfebenen Husftellungskojen angeordnet waren. Derfelbe mündete in ein von kleinen Kompartiments gebildetes Oktogon. Eine einfache StofTbefpannung mit Borden und Leiften und einige Kunftbronzen fcbmückten den Raum. Die hier zur Schau geftellten Husftellungsobjekte zeigten die verfcbiedenen Verfahren der licbtbildenden und graphifcben Kunft und lieferten die Belege für die hohe Stufe der Entwicklung, welche diefe Zweige des Wiener Kunftgewerbes einnehmen. Zu feben waren unter den zahlreich vertretenen Porträts pbotographifcbe Vergrößerungen, Pbotopaftelle fowie farbige Reproduktionen von Aufnahmen Sr. Majeftät des Kaifers Franz Jofepb I. im Jagdkoftüm, dann Ihrer Majeftäten weiland des Königs Eduard VII. von England und König Hlbert von Sachfen als Jagdgäfte unteres Kaifers; künftlerifch ausgeführte Hufnabmen, die dem Charakter der Husftellung entfprachen, fo von Jägern, reinraffigen Hunden, Jagdfzenen, Wildftücken, Landfchaften ufw.; weiters eine reiche Kollektion bildlicher Darftellungen in verfcbiedenen Reproduktionsverfabren: Heliogravüren, fogenannte Fakfimiledrucke, Reproduktionen nach berühmten Ölgemälden und Aquarellen in Drei- und Vierfarbendrucken, Bucbdruck-Klifcbees in Duplexautotypie, Wiedergaben von kunftgewerblicben Erzeugniffen (Teppiche etc.) in naturgetreuen Farben der Originale etc. Schließlich wäre aus diefem Räume auch der Expofition von Pavillon der graphifcben Kunft und Photographie. pbotograpbifcben und Projektionsapparaten fowie pbotograpbifchen Bedarfsartikeln Erwähnung zu tun. In diefer Gruppe ftellte auch das Königreich Rumänien feine kunftgewerblicben, weiblichen Hand- und keramifcben Arbeiten in einem kleinen, knapp an der Kaiferallee fituierten Holzpavillon aus, der in feiner achteckigen Form den Be= dürfniffen entfprecbend ausgeftattet und mit wenigen, in Kerbfcbnitt ausgeführten bunten Bandornamenten gefcbmückt war. Pavillon: Jagdlicher Unterricht, Hlp- und Weidewirtfchaft. Unter den zahlreichen Objekten des jagdlichen Unterrichtes, die in diefem Pavillon zur Husftellung gelangten, verdient an erfter Stelle die reichhaltige Sammlung des Profeffors Dr. W. Sallac, Reicbftadt, hervorgehoben zu werden, welche die Geweibbildung der jetjt lebenden Hirfcbarten, nach ihren Heimatsländern geordnet, zeigte. Nach der vom genannten Husfteller herausgegebenen Brofcbüre: »Die Hirfcbarten auf der Erften Internationalen JagdausfteUung Wien 1910« verfolgte diefe Sammlung den Zweck, einerfeits den Hnfänger auf diefem Gebiete die verfcbiedenen Hirfcbarten fowobl in Hinblick auf ihren Verwandtfcbaftsgrad, als auch ihre geograpbifche Verbreitung vorzuführen, anderfeits dem Vorgefcbritteneren die Möglichkeit zu bieten, ftrittige Geweibformen miteinander zu vergleichen. Diefem eminent wiffenfcbaftlichen und didaktifcben Zwecke wurde unter anderem dadurch gebührend Rechnung getragen, daß bei der Wahl der zur Husftellung gebrachten Objekte das Schwergewicht nicht auf deren Größe, fondern auf das Vorhandenfein cbarakteriftifcber Merkmale gelegt wurde. Die Sammlung war über der Haupteingangstür des Pavillons und auf der diefer gegenüberliegenden Wand untergebracht. Letztere Gruppe von Objekten umfaßte Geweihe von Hirfcben der Hlten Welt und war in zwei Untergruppen geteilt, von denen die obere Hirfcbe der paläarktifcben (Europa, Nordafrika diesfeits der Sahara und Hfien nördlich des Himalajagebirges), die untere Hirfcbe der orientalifcben Region aufwies. Die über der Eingangstür placierten Geweihe gehörten der Neuen Welt an, und zwar in der einen Subgruppe dem Gebiete Nordamerikas, in der anderen jenem von Zentral- und Südamerika. Hnfcbließend an den Kopffcbmuck der Rebarten waren forgfältig bearbeitete Scbädelpräparate unteres beimifcben Rehes zu feben, an denen zum Zwecke der Hltersbeftimmung die Entwicklung der Zähne in leicht faßlieber, inftruktiver Weife demonftriert war. Profeffor Sallac gebührt das Verdienft, mit feinen Objekten eine Lücke in dem fonft überreichen Husftellungsmaterial gefüllt zu haben. Gleich diefem bebandelte auch Oberforftmeifter Nebring-Braunfcbweig die Zabnlebre in einer reichen Sammlung von Zabnreiben des Reh- und Rotwildes. Hn diefe Objekte fcbloffen ficb biologifebe Sammlungen von Kultur- und Waldfcbädlingen, biologifebe und kunftvoll ausgeführte entwicklungsgefchicbtlicbe Präparate, anatomifebe Spirituspräparate von Reptilien 4* 27