Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
Die Induftrie und das Gewerbe in ihren Beziehungen zur Jagd. benütjt werden, in großer Anzahl aus dem Auslände, hauptfächlicb aus Belgien importiert. In den verfebiedenen beimifchen Waffenfabriken wird die Anzahl der mit der Herftellung von Jagdwaffen befebäftigten Arbeiter mit annähernd 2000 angegeben. Die vielen gewerblichen Bücbfenmacber, welche im ganzen Reiche ihre Werkftätten befitjen, dürften beiläufig eine gleiche Anzahl an Meiftern, Gehilfen und Lehrlingen befebäftigen. Der Wert der von den inländifcben Fabriken und kleineren Werkftätten bergeftellten und der Ausübung der Jagd dienenden Schuß- und Blankwaffen kann ficb jährlich auf ca. 6 bis 7 Millionen Kronen betaufen. Der Erzeugung der Schußwaffen ift zunäcbft die Fabrikation der Munition und der Patronen an die Seite zu ftellen. Die öfterreiebifebe Induftrie ift in diefem Fabrikationszweige durch febr hervorragende Etabliffements vertreten; unter anderen find es die Hirtenberger Munitions- und Patronenfabrik, die Firma G. Roth in Wien und Sellir & Beilot in Prag, deren Erzeugniffe, von dem bedeutenden Verbrauch den die einbeimifebe Jagdausübung erfordert abgeieben, von den anderen europäifeben Staaten mit Vorliebe bezogen und auch nach überieeifeben Ländern in großen Mengen exportiert werden. In unferer Monarchie allein beträgt der jährliche Konfum an Munition und Patronen ausfcbließlicb für Jagdzwecke 2 bis 3 Millionen Kronen; diefe Ziffer weift jährlich eine Zunahme auf. — Das vornehme und kunftreiebe Gewerbe der Optiker findet in der Herftellung der mannigfaltigften Jagdgläfer, welche der Berufsjäger wie der Jagdliebhaber nicht entbehren kann, und in jener der beute febon häufig angewendeten Zielfernrohre eine ftändige Befcbäftigung und einen immer zunehmenden Abfatj. — Der jährliche Umfat3 in derartigen Inftrumenten und optifeben Bebelfen kann beute bereits auf 1 Million Kronen veranfcblagt werden. In der Lederinduftrie, die ficb mit der Herftellung von Bärenzwinger und Wildzaun. Wildpark. Büchfenfutteralen, Gewebrkoffern, Patronenkoffern, Patronentafcben, Patronengürteln, Ledergamafcben, RuckiäcUen, Reifetafeben, Speifekörben und anderen kleineren Ausrüftungsgegenftänden befaßt, fpielt die Jagd eine ziemlich bedeutende Rolle. Insbefondere bei dem ftets zunehmenden Luxusbedürfniffe, welchem unfere in= ländifcbe hochentwickelte Lederinduftrie in der Erfindung neuer, zweckmäßiger und gefälliger Formen entgegenzukommen verftebt, wird die Erzeugung der oben genannten, zu Jagdzwecken dienenden Artikel eine immer fortfchreitende Steigerung aufweifen müffen. Gegenwärtig ift der Wert der angeführten Ausrüftungsgegenftände auf jährlich 1 1 L> bis 2 Millionen Kronen zu veranfcblagen. Weitere Bebelfe zur Ausrüftung der Jagd und zwar eine ganz bedeutende Anzahl von Gegenftänden, welche in früheren Zeitabfcbnitten und unter primitiven Verbältniffen von den Berufsjägern felbft zur eigenen Verwendung bergeftellt wurden, find im Laufe der Zeit bei den fo gefteigerten Anforderungen Gegenftand umfangreicher Spezialinduftrien und Gewerbe geworden. Hunderte von Arbeitern finden in den dazu eingerichteten Betrieben, um die verfebiedenen Fangwerkzeuge, wie Fallen, Nefte, Lappen, Wildlocken, ferner Hocbftände, Jagdftüble, Steigeifen, Jagd- und Bergftöcke, Signalbörner, Transportgeräte für erlegtes und lebendes Wild und vieles andere fabriksmäßig berzuftellen, Befcbäftigung und Erwerb. Der Umfat}wert diefer verfebiedenen Gegenftände beträgt gering veranfcblagt 1 Million Kronen pro Jahr. Ein ganz neuer Induftriezweig, welcher ficb hauptfächlicb in den zwei legten DezenJagdglas. nien bedeutend entwickelt bat, ift die Erzeugung von Volieren und von Wildzäunen zur Einfriedung von Tiergärten, zum Zwecke der Verhinderung des Austrittes von Großwild auf Kulturen und Felder, zur künftlicben Aufzucht von Fafanen und Rebhühnern, fowie zur Herftellung von kleinen Gebegen, teils für exotifebe, hier zu akklimatifierende, teils zur zeitweifen Abfperrung behufs Blutauffrifcbung eingeiet)ter Wildarten. Die jährliche Produktion diefes Induftriezweiges wird mit 2 bis 2 1 s Millionen Kronen bewertet. Die Tuch- und Lodeninduftrie befaßt ficb in ziemlich bedeutendem Umfange mit der Herftellung gewiffer Stoffe, welche nach Farbe und Befcbaffenbeit befondere Eignung für den Gebrauch im Terrain und Widerftandsfähigkeit gegen Wetterunbildung befitjen und der Jägerwelt zu Anzügen und zu Wettermänteln dienen. Der Umfat} in diefen Spezialftoffen, einfcbließlicb der Konfektion, kann mindeftens mit 7 bis 8 Millionen Kronen pro Jahr veranfcblagt werden. Nicht minder beeinflußt wird durch die Jagd auch das edle Gewerbe der Juweliere, welche aus diefer Fundgrube reizvolle Ideen für die Herftellung von Scbmuckgegenftänden koftbarfter wie einfaebfter Art gewinnen. Die Produkte diefer Kunftgewerbe, infoweit fie ficb auf Jagd und Jagdgebraucb bezieben, repräfentieren einen jährlichen Umfaö von 5 bis 6 Millionen Kronen. 19 II. Teil. 145