Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe

Die Induftrie und das Gewerbe in ibren Beziehungen zur Jagd. Wo früher die Werkftätte allein im befchränkten Umfange die Produkte der Jagd verarbeitete, und die Erforderniffe für die Jagdausübung berftellte, feben wir beute große Fabriken mit Taufenden von Arbeitern, feben wir eine Unmenge mittlerer und kleinerer Betriebe reichlich lohnende Arbeit verrichten, um einerfeits die Rohprodukte, welche die Jagd liefert, zu verarbeiten, anderfeits um die Bebelfe zur Ausübung der Jagd berzuftellen. Wir feben, und zwar zum Zwecke der Deckung des von Jahr zu Jahr fteigenden Bedarfes, zum Zwecke der Herftellung einer Legion von immer bedeutfamer werdender Hilfsmitteln, fowie endlich zur Befriedigung eines Luxusbedürfniffes, dem fieb der Kulturmenfcb beute nicht mehr zu entziehen vermag, Technik und Wiffenfcbaft, Induftrie und Gewerbe im regften Wettbewerb untereinander. Das Produkt von beute wird vielleicht morgen febon durch ein noch vollkommeneres überflügelt und durch diefen Wettftreit, durch das Beftreben nach Ausgeftaltung und Vervollkommnung werden ftets neue, nie vertagende Erwerbsquellen ge­febaffen, wird vielen Taufenden Exiftenz und Unterhalt geboten. Wie erhoben wurde, find an Decken, Schwarten, Fellen, Bälgen, an Federn, an Geweiben und Gehörnen in den legten 10 Jahren der Induftrie und dem Gewerbe annähernd 130 Millionen an Werten zugeführt worden. Diefe Ziffern fpreeben für fich eine deutliche Sprache, insbefondere wenn in Betracht gezogen wird, daß durch die induftrielle und gewerbliche Verarbeitung des Robproduktes deffen Wert bis ins Zehnfache gefteigert werden kann. So fei zunäcbft auf unfere hochentwickelte beimifebe Hutinduftrie verwiefen, deren ausgedehnte, im ganzen Reiche verbreiteten Fabriksanlagen nach Hunderten zählen und mehr als 15.000 Arbeiter befebäftigen. Zu den bervorragendften Erzeugniffen diefer Induftrie find die Haarfilzbüte zu zählen. Zur Herftellung derfelben liefern beinahe ausfcbließlicb die Jagdergebniffe des Reiches die erforderliche Hafen- und Ka­ninchenwolle; von der Gefamt­Produktion der Hutinduftrie ent­fallen auf diefes Produkt zirka 10 Millionen Kronen. Die weitver­zweigte Schmuck­federninduftrie liefert ein ähnli­ches Beifpiel. Da werden alljährlich in vielenHunder­Kunft werden fie in den mannigfaebften Formen zufammengeftellt, und von Taufenden von fleißigen Händen ge­fcbickt und zierlich ihrer Verwendung, d. i. der Ausfcbmückung von Damenbüten, der Herftellung von Damen­fäcbern, von Geftecken, wie fie die Gebirgsvölker und die Jäger gerne auf den Hüten tragen, u. dgl. m. zugeführt. Der Wert diefer leiteten Robprodukte, der aus den Jagdergebniffen des Reiches unterer Induftrie und dem Gewerbe zufließt, repräfentiert beiläufig 1 Million Kronen jährlich. Der Wert der fertigen jährlichen Erzeugniffe der öfterreiebifeben Scbmuckfederninduftrie, welch letztere wohl zum großen Teil ihre Rob­produkte aus dem Auslande und namentlich aus überfeeifeben Ländern bezieht, beziffert fieb annähernd auf 25 Millionen Kronen. — Der Anteil, welcher an diefer Gefamterzeugung den aus unteren inländifchen Produkten bergeftellten Waren zufällt, kann immerbin auf 20% beziffert und fomit auf zirka 5 Millionen Kronen bewertet werden. Die Pelzwarenerzeugung nimmt gleichfalls hervorragenden Anteil an der Verwertung der aus den Jagd­ergebniffen gewonnenen Decken, Bälge etc. unterer beimifeben Pelztiere. Wohl muß hervorgehoben werden, daß die rohen Bälge behufs Veredlung zum großen Teile nach dem Auslande verfendet werden, um von dort in entfpreebend zugerichtetem Zuftande wieder zurückzugelangen. Dennoch kann gerade bei den Pelztieren durch die zur Verfügung flehenden ftatiftifeben Daten ermittelt werden, daß die der Induftrie und dem Gewerbe jährlich aus den Jagdergebniffen des Reiches zugefübrten Robmaterialien von annähernd 100.000 Fücbfen, 50.000 Baummardern, 25.000 Steinmardern, 40.000 Iltiffen, 10.000 Fifcbottern, ferner von Hafen, Kanineben und anderen Klein-Pelztieren, wie Wiefein, Katjen, Hamfter und vielen anderen, einen Wert von 7 Millionen Kronen repräfentieren. Nach erfolgter Appretur und Konfek­tion erreicht diefes Produkt einen Handelswert, der um 60 bis 200% den Wert des Robproduktes überfebreitet, fomit annähernd 15 Millionen Kronen beträgt. In der Sämifcbgerberei werden bauptfäcblicb die im Inlande aus den Jagdergebniffen gewonnenen Decken von Rot- und Damwild, ferner von Reh und Gemse verarbeitet. Die derart gewonnenen Halbfabrikate werden als Wildleder zu mannigfachen gewerblichen und induftriellen Erzeugniffen verwendet. im Scbmuckfederninduftrie, Rotunde. ten von Betrieben Federn, Bälge, Schwingen, Stän­der, Köpfe und Stöße, welche unfer heimifebes Federwild liefert, fowobl in ihren natürlichen Far­ben als auch in gebleichtem und gefärbtem Zu­ftande verarbeitet. In erfinderifeber Weife und mit 142

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