Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die FJusftellung. des Stiftes St. Florian. Darüber eine Hnzabl auserlefener Gefäße und Gefcbirre (Krüge und Scbüffeln). ver­ziert mit Tierftücken, figuralem Dekor und ftilifierten Blumenmuftern, cbarakteriftifcbe Erzeugniffe des XVII. und XVIII. Jahrhunderts aus Oberöfterreich. Rechts von der Tür eine große gußeiferne Plaque aus dem XVI. Jahr­hundert mit einer Darftellung Kaifer Max', des legten Ritters, auf der Gemsjagd. Das Werk feffelte durch feine flächige, dekora­tive Behandlung und durch eine Reihe naiver Züge in derDarftellung. So fpießt z. B. ein Jäger von einem Berggipfel zum anderen eine Gemfe auf, der zweite fängt das enteilende Tier an den Hinterläufen ufw. Kaifer Max ift in der Mitte kletternd darge­ftellt. Die Plaque, die aus Hall in Tirol ftam­men foll, befindet fich gegenwärtig im Befitje des Herzogs Philipp von Württemberg in Gmunden. Ober der Eifenplatte vier präch­Koftüm des Oberfterblandfalkenmeifters. Öfterreicbifcbes Reicbsbaus. Öfterreicb ob der Enns. tige Jagdkrüge, rechts und links davon eine Kollektion von Sau­federn. Die Dekoration der näcbftenLängswand bil­deten einige wertvolle Gemälde, darunter ein prächtiger Fyt (Totes Wild und Jagdbunde), in der Mitte eine Dar­ftellung derEnnferBau­ern, die das Hochwild des Grafen Weißenwolff erfcblagen (Öl auf Lein­wand, bald nach 1717 gemalt), dann ein Tier­ftück von Baldaffare di Caro : »Totes Federn­wild vom Fuchs um­kreift«; anfonften alte Jagdgewehre, Rüdenbaisbänder mit dem Wappen der Grafen Tbürheim aus der Barockzeit. Wahre Schätje bargen die an diefer Wand ftebenden Vitrinen. Eine reichhaltige Sammlung von Weid­meffern und Jagdbeftecken — cbarakteriftifcb für die einft in Steyr blühende Mefferinduftrie - eine Kollektion von kunftvoll mit Bein und Perlmutter ausgelegten Jagdgewebren und Jagdpiftolen, dann Radfcblöffer aus dem XVII. Jahrhundert, eine Sammlung von Standhauern und Hirfcbfängern, Pfeifen, Dofen, Meffern, Be­ftecken und Feuerfteinzündern fanden darin Unterbringung. Unter diefen Gegenftänden verdienen noch ganz befonders hervorgehoben zu werden ein prächtiger Rokoko-Hirfchfänger mit Griff aus Meißner Porzellan in farbigem Relief, eine Wildfcbweinjagd darfteilend, dann drei wertvolle Standbauer mit markig profilierten Griffen aus Bronze, durchbrochen und mit farbig gebeiztem Bein eingelegt, die Klingen geätjt und mit goti­fcbem Blattrankenornament und Ritterfiguren geziert. In der Ecke an der Schmalwand ftand als Pendant zu dem bereits befcbriebenen Kabinett ein zweites aus der nämlichen Stiftsfammlung. Das­felbe zeigte geöffnet auf den Vorderfeiten der Laden eine Fülle von intarfierten Orna­menten, auf den In­nenfeiten der Türen einenFlötenbläferund einen Trommler in pbantaftifchen Hrchi­tekturumrabmungen. Darüber hingen die Darftellung eines »ein­geftellten Jagens« in bunten Farben auf Pergament gemalt und ein Ölgemälde von Max von Burgau »Toter Fuchs«. Die Mitte des Raumes nahm ein Befpanriung des Rokokojagdfcblittens. Öfterreicbifcbes Reicbsbaus. Öfterreicb ob der Enns. prunkvoller, reichge­fchnitjter und buntbe­malter Rokokojagd­fcblitten mit dazu ge­hörigem, aus Holz in natürlicher Größe ge= fcbnit}tem und ange-­fcbirrtem Pferde und eine große Mittelvi­trine ein, die neben erlefenen Werken der Kleinkunft, präbifto­rifcben Jagdgeräten aus der Stein- und Bronzezeit, alte Stein­plaftiken, Gläfer und Pokale enthielt. Hier waren auch die viel­fach bewunderten Hirfcbgranen aus einem Hallftätter Gra­be zu feben, die von in der Nähe gelegenen Bronzegegenftänden felbft eine prächtige Patina angenommen hatten. Befonderes Intereffe weckten bei den Befcbauern auch zwei komplette Koftüme mit voller flusrüftung des Oberfterblandfalkenmeifters und des Erblandfalkenmeifters aus der erften Hälfte des XVIII. Jahrhunderts, beftebend nebft dem Gewände aus Handfcbub, Bandelier, Gürtel mit Weidtafcbe, Hirfcbfänger und 79

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