Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die FJusftellung. Wandpartien aus dem falzburgifcben Saale. Ofterreicbifcbes Reicbsbaus. Beim Betreten des Raumes fiel das gelungene Arrangement der gegenüberliegenden Wand auf. Inmitten derfelben ein mit »C. Lift 1680« figniertes Gemälde, den Erzbifcbof Grafen Kuenburg in lebensfrifcber Weife darftellend, wie er eine reiche Strecke allerband Wildes muftert. Darunter an der Wand ein alter, zweitüriger, niedriger Kaften, auf dem neben altem Bauerngefcbirr zwei fcböne Steinfcbloßgewebre lagen. Im übrigen fcbmückten die Wand drei alte Hirfcbgeweibe auf goldgeränderten Schildern, zwei prächtige, alte Steinbock­gebörne, alte Waffen und Jagdgeräte (Armbrüfte, Hifthörner, Weidblätter, Standbauer, Saufedern u. a. m.). Falkenbaube. Das eine Koftüm war in roter Seide mit reicher Goldftickerei, das andere in grüner Seide mit Silber ausgeführt. Das Prinzip, welches die oberöfterreicbifcbe Expofition vor allem zu einer retrofpektiven ausgeftalten ließ, wurde bloß zugunften der zum Teil mit der Jagd eng zufammenbängenden, unvergleichlichen Arbeiten des Meifters des Stabl­fcbnittes, Michel Blümel­buber in Steyr, durch­brocben und diefen Erzeugniffen modernen Kunftgewerbes in der Mittelvitrine ein Plat) mit um fo größerer Be­rechtigung eingeräumt, als diefe weltberühmten Arbeitendie glorreichen Traditionen der alten Eifenftadt in rühmlicher Weife fortfetjen. Die fcbwierige Kunft des Stablfcbnittes, die eine außerordentliche Kennt­nis des Materiales er­fordert und die in den Zeiten der deutfcben Renaiffance viel be­wunderte Werke her­vorgebracht hatte, war Hauptwand des falzburgifcben Saales. Ofterreicbifcbes Reicbsbaus. der Neuzeit faft gänz­lich verloren gegangen. Blümelbuber (geboren 1865 in Chriftkindl) war es vorbehalten, fie mit Werken erften Ranges zu neuem Leben zu erwecken. Gefördert von dem kunftfinnigen Sammler und Kenner, Emmerich Grafen von Lamberg, dem Scbloß­berrn von Steyr, lernte Blümelbuber ficb immer freier in der fcbwieri­gen Technik zu bewe­gen, bis es ihm gelang, aus dem bärteften und fprödeften Stahl ä jour die wundervollften Ver­zierungen hervorzu­zaubern, Ornamente im reinften Gefchmack der deutfcben Renaiffance, aber auch figurale Motive, wie fie z. B. im Griff des fogenannten Fürftenbergfcben Jagdmeffers enthalten find, hervorzubringen. Griff und Klinge find aus einem Stück und die Qualität des Stahles ift fo vorzüglich, daß eine ftarke Eifenplatte mit dem Meffer durcbftocben werden kann, ohne daß die Spitje oder die Schneide der Klinge die geringfte Befcbädigung aufwiefe. Bei dem Jagdbefteck des Regierungsrates Lift bilden Meffer, Gabel und Scheide je ein Ganzes; auch hier find die Scheide und die Griffe des Befteckes mit zierlichen Weinranken ä jour verziert. Diefelbe Kunft zeigt ein zweites Jagdmeffer fowie zwei Papierfcberen, die zur Vervollftändigung des Bildes der Blümelbuberfcben Kunft mitaufgenommen wurden. Wir wenden uns der benachbarten und in mancher Beziehung verwandten Expofition von Salzburg zu. Auch hier wurde das retrofpektive Moment ftark betont; neben Objekten der Kunft und des Kunft­gewerbes, Einricbtungsflücken und allerband Waffen aus früheren Jahrhunderten kam jedoch auch die moderne Jagd in einer auserlefenen Kollektion von Trophäen gebührend zu Worte. 80

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