Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die FJusftellung. Den Saal fcbmückten zahlreiche Photographien von jagdlich intereffanten Vorwürfen, zahlreiche fchön gearbeitete Waffen (Gewehre, Piftolen, Handzare etc.) und Jagdutenfilien. Zu erwähnen wäre fcbließlicb aus diefem Saale die grapbifcbe Darftellung der Wildfcbongebiete, deren zuvor fcbon Erwähnung getan worden ift. Korrefpondierend mit diefem Räume lag im Obergefchoffe der biftorifche Saal, in dem auf die Jagd Bezug habende Objekte von der Steinzeit bis in die Gegenwart zu feben waren. Die Kollektion eröffneten zahlreiche Funde aus dem neolitifcben Zeitalter, wie Steinbeile und -keile, Steinpfeilfpitjen, Steinmeffer und Schaber, an die ficb Waffen und Gebraucbsgegenftände der Kupfer-- und Bronzeperiode — diverfe Beilformen, Schwerter, Lanzen, Dolche — fowie zahlreiche und intereffante Knocbenartefakte aus Pfablbauanfiedlungen anfchloffen. Weiters fab man mit immer fortfcbreitender Entwicklung in der Form, Konftruktion und Feinheit der Aus­führung fowie immer häufiger werdender Verwendung von Edelmetallen und koftbaren Edelfteinen allerband Waffen, Rüftzeug und Gebraucbsgegenftände. An diefen Objekten trat auch fo recht die Pracbtentfaltung, welche dem Orientalen eigen ift, in die Erfcheinung. Es würde zu weit führen, wollten wir hier tiefer in das Detail eingeben. Erwähnt feien ein Mafcheepferd mit filberner Satteldecke und vergoldetem Gefcbirr (Kopfftück, Bruft- und Halsftück, Steigbügel), davor ein Bauer in komplettem Koftüm mit einem Gewehr; weiter ein reiches mos­limifcbes goldgefticktes Gewand. Diefem waren neben den eigentlichen Kleidungsftücken 2 Piftolen, 3 Patronen­tafchen und ein auf einem Handfcbub montierter Fal­ke beigegeben. Befonde­res Intereffe weckten auch Abgüffe von Jagdreliefs aus dem Mittelal­ter, die foge­nanntenBogu­milenfteine, unter denen die Objekte vom Fiirften­grabe in Zgos­ca (XIII. Jahr­hundert) be­fonders her­vorgehoben Diorama: Falkenbeize an der Narenta. Pavillon »Bosnien und Herzegowina«. zu werden ver­dienen. Sie ge­währten Ein­blick in die da­mals üblichen Jagdmetboden und das be­jagte Wild. So feben wir z. B. die Jagd auf den Hirfcben mit Pfeil und Bogen, dann wieder mit dem Wurffpeerund derWurffcblin­ge(Laffo), eine Keilerjagd mit der Saufeder, die Verwen­dung des Jagd­leoparden fo­wie eines großen Raubvogels — möglicberweife des Adlers — zur Jagd u. a. Den Abfcbluß diefes Saales bildete die Darftellung einer Falkenbeize an der Narenta. Zur Rechten ein moslimifcber Notabler, der dem freigelaffenen Falken zufiebt, wie er gerade in den Lüften eine Ente fcblägt. Zur Linken ein mit reichem Gewand angetaner Diener mit prächtigem orientalifchen Roffe; im Hintergrunde eine weite Sumpf-­landfcbaft mit gegen den Horizont fanft verlaufendem Gebirgszuge. Es erübrigt noch der kunftgewerblicben Objekte, die auf der Galerie zur Schau geftellt waren, Erwäh­nung zu tun. Sie umfaßten: Graveur- und Zifeleurarbeiten aus Metall; Taufebier-, beziebungsweife Inkrufta­tionsarbeiten in Metall und Holz; Filigranarbeiten in Silber und Gold; dann Erzeugniffe der Web- und Knüpf­teebnik (Teppiche, Vorleger, Decken, Pölfter, Läufer etc.) in Seide und Wolle, endlich bandgewebte Bezftoffe aus Baumwolle und Seide, wie Portieren, Tafcbentücber, Ecbarpen etc. fowie Stickereien in Seide, Gold- und Silberfäden. Ausgeführt und ausgeftellt waren diefe Gegenftände von den landesärarifeben und kunftgewerb­licben Ateliers und der landesärarifeben Teppich-, beziebungsweife Bezweberei und Stickerei in Sarajevo. Das Öfterreichifche Reichshaus. Über die breite Mitteltreppe zwifeben den wirkungsvollen, vom Bildbauer Hugo Kübnelt unter Beihilfe des Bildbauers Hugo Poftel entworfenen Reiterftatuen der zwei großen Weidmänner aus der Gefcbicbte Öfterreicbs, Kaifer Maximilian I. und Leopold dem Babenberger, treten wir in das nach Entwürfen des Chef­architekten, k. k. Baurat Alexander Décfey, erbaute Öfterreichifche Reichsbaus ein, umfaffend die Repräfen­tations- und Ausftellungsräume der einzelnen Königreiche und Länder. Wir ftehen im Veftibül. Gegenüber dem Haupteingange in dem ruhig vornehmen, mit immergrünen Gewächfen gefcbmückten Räume das lebensgroße Bild unferes Allerböcbften Jagdberrn, Seiner Majeftät des Kaifers und Königs Franz Jofepb I., des Schirmers des Weidwerkes und der Jägerei Öfterreichs! Die jugendfrifebe Geftalt im fcblicbten Gewände des Hoch­gebirgsjägers aus den öfterreiebifeben Alpenländern ftebt vor einem kapitalen Zwölfender, den Seine Majeftät 74

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