Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Husftellung. im Hehler Leibgehege im Jahre 1904 geftreckt bat. Das Bild, zu welchem dem Künftler, Profeffor Kafimir Pochwalski, mehrere Sitjungen gewährt worden find und das unfer Gedenkbucb fcbmückt fowie, auf der offiziellen Ausftellungspoftkarte in unzähligen Exemplaren repro­duziert, in aller Herren Länder binausfiatterte, verfehlte nicht, den einbeimifeben und fremden Befucber auf eine fpezififcb öfterreiebifebe Note zu ftimmen und mit den übrigen, das Veftibül fcbmückenden Wandgemälden gewiffermaßen auf die lokale Eigenart der im Reicbsbaufe ver­einten Expofitionen vorzubereiten. Diefe Gemälde, fechs an der Zahl, aus dem Atelier des Malers Alois Hans Scbram ftammend, verfinnlichten in allegorifcber Darftellung die verfcbie­denen, innerhalb der Gemarkungen der diesfeitigen Reicbsbälfte in Betracht kommenden Jagd­arten. Als ornamentalen Schmuck trugen fie am unteren Rande je drei Länder--, beziebungs­weife Städtewappen. Sie ftellten dar: die Hocbwildjagd (Wappen von Niederöfterreicb, Steier­mark und der Stadt Wien), die Hocbgebirgsjagd (Wappen von Salzburg, Tirol und Vorarlberg), die Wafferwildjagd (Wappen von Dalmatien, Iftrien und der Stadt Trieft), die Niederwild­jagd (Wappen von Böhmen, Mähren und Kärnten), die Rebwildjagd (Wappen von Oberöfterreicb, Scblefien und Görz), endlich die Raubwildjagd (Wappen von Galizien, Bukowina und Krain). Anftoßend an das Veftibül lag vom Eingang zur Linken der Saal, in [dem die Husftellung des Landeskomi tees fürBöbmen untergebracht war. Der Raum erfuhr einerfeits durch eine niedrige Querwand an der Veftibül­feite, anderfeits durch den Einbau eines hölzernen Jagdhaufes in der Bauart der nordböbmifeben Bauernbäufer an der gegen­überliegenden Scbmalfeite eine dreifache Unterteilung, ohne daß dadurch die Einheitlichkeit der in fich gefcbloffenen Husftellung verloren gegangen wäre. In dem erften derart gebildeten Abteil feffelten den Befucber kunftvoll ausgeführte, reich mit Gold und Elfenbein ausgelegte, wertvolle alte Waffen und Jagdgeräte, dann kunftgewerblicbe Objekte des XVII. und XVIII. Jahrhunderts aus dem Befitje des böbmifchen Hocbadels. In einer Ecke des Saales war eine Kollektion von auf der Domäne Podébrad akklimatifiertem exotifeben Wilde (Sikabirfcbe, Antilopen, Känguruhs und Strauße) untergebracht —ein für europäifebe Verbältniffe ebenfo intereffantes wie apartes Objekt, das manchen Befucber, der noch keine Kenntnis von dem Beftande eines derartigen Jagdgebeges in Öfterreicb hatte, in lebhaftes Erftaunen verfemt haben mochte. Aus dem Mittelraume wäre ein nach der Idee des Grafen Leopold Noftitj in der k. k. Facbfcbule zu Grublicb ausgeführtes, äußerft überficbtlicbes Modell einer Hafenftreifjagd zu erwähnen, anfonften eine Reibe prächtiger Trophäen, kapitale Hirfcbgeweibe und Rebkronen, dann alte Waffen, befonders wertvolle Armbrüfte, allerband Jagdgeräte u. a. m. Als Wandfcbmuck war inmitten der einen Längswand eine Nachbildung der Brokofffcben (?) Hubertus­gruppe an der Faffade des Dienzenboferfcben Haufes in der Tomasgaffe in Prag angebracht; weiters zwei große Gemälde, darftellend die Pardubitjer Parforcejagdgefellfcbaft von Benno und Emil Adam und Julius Blaas, Gemälde vom Jagdmaler Jaroslav Vesin u. a. Zuoberft war eine ganze Reibe guter Hirfcbftangen, auf originellen, alten Holzköpfen montiert, dann in Form von Emblemen gekreuzte Gewehre, Hifthörner ufw. an­gebracht. Das früher erwähnte Jagdbaus, durch das der Hauptgang nach der Nacbbarabteilung — dem Räume der Staats- und Fondsforitverwaltung — führte, war zur Bildung von zwei beiderfeits desfelben angeordneten Interieurs ausge­nützt, welche mit alten Möbeln aus dem »Sopbienfcbloffe« bei Gratjen und dem Schlöffe in Eifenburg wirkungsvoll eingerichtet waren. Es muß als eine glückliche Löfung der Frage nach der paffendften Unterbringung der Expofition der Staatsforft­verwaltung bezeichnet werden, daß gerade für diefe Sonder­ausftellung ein Raum im Öfterreicbifcben Reicbsbaufe zur Ver­fügung geftellt worden ift. Wenn auch dabei diefer Jagdver­waltung nur ein befebeidenes Heim erftanden ift, fo ift damit Domäne Podébrad, akklimatifiertes exotifebes Wild. Ofterreicbifcbes Reicbsbaus. Böhmen. 10* 75 Jagdbaus als fibfebluß des böbmifeben Saales. Öfterreicbifcbes Reicbsbaus. St. Hubertus von Brokoff. Öfterr. Reicbsbaus.

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