Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Andrea Komlosy: Österreichs Brückenfunktion und die Durchlässigkeit des „Eisernen Vorhangs“

Österreichs Brückenfunktion und die Durchlässigkeit des „Eisernen Vorhangs' Regierungsstellen als auch mit einzelnen Unternehmungen stattfanden. Untemehmenskooperationen schlossen den Verkauf von Anlagen, Komponenten und Ausrüstungen, Lizenzen, technische Assistenz und Schulungen, Qualitätskontrolle sowie Austausch und gemeinsame Forschung und Entwicklung mit ein. Eine wichtige Form stellte die Auftragsfertigung fur westliche Unternehmen dar." Neben der Kooperation unabhängiger Unternehmungen kam seit der Zulassung von Joint Ventures auch eine westliche Kapitalbeteiligung in Frage.11 12 Ausländische Direktinvestitionen durch Joint Ventures waren in Rumänien seit 1971 (bis 49 Prozent), in Ungarn seit 1972 (als Holdingbeteiligung) bzw. seit 1977 (keine prozentuelle Beschränkung), in Bulgarien seit 1980 (auch ausländische Mehrheitsbeteiligung), in Polen seit 1979 (Auslandspolen) bzw. seit 1982 (reine ausländische Gründung) und in der Tschechoslowakei seit 1985 (bis 49 Prozent) gesetzlich zugelassen. Lediglich die DDR versperrte sich westlichen Joint Ventures, in der UdSSR hingegen waren sie seit 1987 (bis 49 Prozent) möglich. In Rumänien, Bulgarien und der CSSR kamen trotz der gesetzlichen Möglichkeit nur wenige Joint Ventures zu Stande; dies lag nicht zuletzt an hoher Besteuerung und Beschränkungen für den Gewinntransfer. Eine lebhafte Gründungstätigkeit fand lediglich in Polen und in Ungarn statt. In Polen handelte es sich in erster Linie um Klein- und Mittelbetriebe v. a. von Auslandspolen, Joint Ventures mit polnischen Firmen beschränkten sich auf wenige Ausnahmen. In Ungarn hingegen, wo das ausländische Unternehmen Mehrheitseigner sein konnte, Gewinne frei transferierbar waren und Zollfreizonen mit besonders günstigen lnvestitionsbedingungen errichtet wurden, war die Zahl der Joint Ventures von sieben im Jahr 1980 auf fast 100 im Jahr 1987 angestiegen.13 Eine Erhebung der Unternehmenskooperationen schätzte für das Jahr 1975 die Gesamtzahl der Joint Ventures in Osteuropa auf ca. 160.14 Über die Joint Ventures hinaus wurden weitere 390 Untemehmungskooperationen gelistet, davon 134 mit Ungarn, 112 mit Polen. Technologie- und Know-how-Transfer wurde dabei als häufigstes Motiv für die Kooperation genannt, Managementunterstützung hingegen spielte eine untergeordnete Rolle, ln einigen Fällen kam es zum Verkauf ganzer Anlagen, die durch Warenlieferungen bezahlt wurden, insbesondere in Rumänien und Bulgarien. Ein Spezifikum der DDR bestand in der gemeinsamen Errichtung von schlüsselfertigen Anlagen in Drittstaaten. Polen erwies sich als bedeutender Lizenznehmer, während Ungarn führend im Bereich der Lohnveredelung war. 11 Mc Millan, Carl H : Forms and Dimensions of East-West-Interfirm Cooperation. In: Saunders C.T. (Hg ), East-West-Cooperation in Business, tnterfirm Studies. Wien-New York 1977, S. 28-60. 12 Lingelsheim-Seibicke, Wolfgang v. (Hg ): Handbuch für den Osthandel, Bd. 1 Köln 1988, VIII/1 -68. Lingelsheim-Seibicke: Handbuch, VII/11. 14 Mc M i 11 a n : Forms and Dimensions, S. 36-41. 77

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