Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)
Piotr Franaszek: Die Handelsbeziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und Österreich in der Zeit von 1945-1989
Piotz Franaszek Ungeachtet der Probleme und Spannungen, die mit der Übernahme der zum deutschen und österreichischen Kapital gehörenden Unternehmen verbunden waren, nahm die Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Polen und Österreich nach Ende des Ersten Weltkrieges eine dermaßen erfolgreiche Entwicklung, dass Österreich 1929 an der dritten Stelle der Länder mit dem größten Anteil an der polnischen Ausfuhr rangierte.1 Diese günstige Situation dauerte bis zum Anschluss Österreichs an das Dritte Reich, obwohl schon fur den Anfang der 30er Jahre ein deutlicher Rückgang des Handelsumsatzes zwischen Österreich und Polen zu verzeichnen war. Ende der 1920er Jahre belief sich der polnische Anteil an dem Gesamtwert der österreichischen Einfuhr auf 9,3 Prozent, bei der Ausfuhr lag er dagegen bei 5,5 Prozent. In dieser Zeit entfiel auf Österreich 6,6 Prozent des gesamten Warenimportes nach Polen und sogar 12,4 Prozent des gesamten polnischen Exportes. Diese Werte begannen Anfang der 30er Jahre zurückzugehen. 1932 sank der Anteil Polens an der österreichischen Einfuhr auf 7,7 Prozent, und fünf Jahre später ging der österreichische Anteil an dem polnischen Import auf 4,6 Prozent zurück, während der Anteil am polnischen Export damals bereits nur noch 4,9 Prozent betrug.* 4 In der Zeit von 1934 bis 1938 entfielen auf Österreich im Durchschnitt 5,5 Prozent der gesamten polnischen Einfuhr. Es war kein schlechtes Ergebnis, wenn man die anderen europäischen Länder in Betracht zieht, sogar auch solche wie Großbritannien mit 14,7 prozentiger Beteiligung am polnischen Import, Deutschland (9,2 Prozent) oder Frankreich (fünf Prozent). Im selben Zeitraum erreichte Österreich durchschnittlich einen 6,6 prozentigen Anteil am polnischen Gesamtexport. Auch in diesem Fall gehörte Österreich zu den Hauptabnehmern der polnischen Erzeugnisse, auch wenn sie größtenteils nach Großbritannien (23,6 Prozent des polnischen Exportes), Deutschland (9,8 Prozent), Schweden (6,9 Prozent) oder in die Vereinigten Staaten von Amerika (6,8 Prozent) geschickt wurden.5 Vorherrschend im Handelsaustausch zwischen Polen und Österreich waren landwirtschaftliche Produkte sowie Rohstoffe. Besonders bemerkbar machte sich dies bei der Ausfuhr der polnischen Waren nach Österreich. Im Jahre 1935 machten der polnische Koks und die polnische Kohle insgesamt fast 38 Prozent vom Wert des polnischen Exportes nach Österreich aus, zwei Jahre später waren es nur mehr 1 Statistisches J ahrbuch . Warszawa 1993, S. 378. 4 Sikorski, Jerzy: Polska-Austria. Gospodarka, stosunki ekonomiczne (Polen-Österreich. Wirtschaft, wirtschaftliche Beziehungen).Warszawa 1971, S. 90-91. 5 Wojciechowski. Bronislaw: Handel zagraniczny (Auslandshandel). In: Gospodarka Polski Ludowej 1944-1955 (Die Wirtschaft der Volksrepublik Polen in der Zeit von 1944 bis 1955), Sammelband, Red. Kalinski, Janusz; Landau, Zbigniew. Warszawa 1986, S. 394-395. Compendium statystyczne polskiego handlu zagranicznego w latach 1929-1938, 1945-1960 (Statistisches Compendium des polnischen Aussenhandels in der Zeit von 1929-1938, 1945— I960). Warszawa 1961, S. 205-206, 291-293. 186