Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Piotr Franaszek: Die Handelsbeziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und Österreich in der Zeit von 1945-1989

Die Handelsbeziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und Österreich ca. 31 Prozent. Den größten Anteil an landwirtschaftlichen Produkten im polnischen Export nahmen Schweine ein (20,6 Prozent im Jahre 1935 und 26.4 Prozent zwei Jahre später). Außerdem wurden Pflanzensamen. Eier, Pferde sowie Federn und Flaum aus Polen nach Österreich ausgeführt. Das hauptsächliche österreichische Exportgut nach Polen waren Maschinen und Elektrogeräte. Der Wert dieser Einfuhr erreichte 1935 eine Höhe von 6,9 Mio. Zloty, zwei Jahre später 7.4 Mio. Zloty, was 16,8 Prozent und 12,8 Prozent der Gesamtausfuhr der österreichischen Waren nach Polen ausmachte. Bedeutendes polnisches Einfuhrgut waren auch Wolle sowie Textilwaren und Kleidung. Der Wert der 1935 eingeführten Wolle lag bei 4,9 Mio. Zloty, 1937 betrug er 5,8 Mio. Zloty, das entsprach zwölf Prozent und zehn Prozent des polnischen Importes aus Österreich. Textilerzeugnisse und Kleidung machten in dieser Zeit 8,5 Prozent und 8,8 Prozent dieses Importes aus (3,5 und 5 Mio. Zloty). Außerdem bezog Polen aus Österreich Aluminium, Werkzeuge, Eisen, Stahl und Holzprodukte. Gesamtheitlich betrachtet, spielte Österreich vor dem Zweiten Weltkrieg eine ziemlich wichtige Rolle im Warenaustausch mit Polen.6 Die Zeit von 1945 bis 1970 Relativ bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs knüpften Polen und Österreich Handelsbeziehungen. Schon am 21. September 1946 wurde der erste Handelsvertrag nach dem Krieg abgeschlossen. Diesem zufolge sollte Polen an Österreich Kohle gegen Fertigprodukte der Maschinenindustrie liefern. Die Durchführung dieses Vertrags stieß jedoch auf viele Hindernisse, so dass im März des nächsten Jahres in Wien Gespräche begannen, die Grundlagen für einen langjährigen Warenaustausch schaffen sollten. Begünstigt wurde diese Zusammenarbeit durch die in beiden Ländern geschaffenen Handelsvertretungen. Am 3. Juni 1947 wurde ein Handelsabkommen unterzeichnet, mit dem die alljährlich bis 1954 geschlossenen Verträge eingeleitet wurden. Zunächst sollte sich der Wert der nach Österreich ausgeführten Waren auf neun Mio. Zloty und der nach Polen eingeführten Produkte auf fünf Mio. belaufen. Die im Rahmen der Teilverträge geschlossenen Handelstransaktionen wurden vom österreichischen Finanzministerium und dem polnischen Außenhandelsministerium getragen. Einen integrativen Bestandteil des Vertrags bildeten zwei Listen mit dem Verzeichnis von österreichischen Ausfuhrwaren nach Polen (sog. Liste A) und von polnischer Ausfuhr nach Österreich (Liste B). Darüber hinaus enthielt eine mit „R“ gekennzeichnete Liste ein Verzeichnis von Waren, deren Austausch nur beim endgültigen Wertausgleich im gegenseitigen Austausch der in den Listen A und B eingetragenen Waren möglich war. Die Liste A umfasste u. a. Schlepper der Firma „Steyr“, Lokomotiven, Diesel-Motoren, Kräne, Tiefbohrgeräte, Dampfkessel, 6 S i k or s k i : Polska-Austria, S. 92. 187

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