Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Christoph Boyer: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Sowjetischen Besatzungszone in Deutschland (SBZ) bzw. der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) (1945-1989/90)

Christoph Boyer umdimensioniert werden. Montage, Service und Ersatzteilversorgung, Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Marktforschung blieben unzureichend; zahlreich waren die Verstöße gegen den Grundsatz der Vertragstreue, mit der Folge, dass eine Anzahl bedeutender Projekte an Konkurrenten verloren ging. Nicht alle Glieder und Abteilungen der DDR-Handelsorganisation waren - um eine deutliche Formulierung zu wählen - unfähig. Am ehesten traf dies auf österreichische Töchter von DDR-Betrieben und auf Kommissionsbasis arbeitende Importeure zu; auch die selbstständigen Handelsvertreter, die Mitte der Achtzigerjahre an die 60 Prozent der DDR-Exporte nach Österreich vermittelten, waren wenig kompetent. Die Gemischten Gesellschaften hingegen, die 18 Prozent des Exportvolumens, vor allem im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und der Elektronik bewegten, verfügten in Österreich über ein gut organisiertes Netz von Repräsentanten, von Service- und Montagefirmen; ungeachtet dessen konnten auch sie die ambitionierten Wachstumsziele nicht erfüllen.37 Fazit und Ausblick Ungeachtet des absoluten quantitativen Wachstums und des in den Sechzigerjahren einsetzenden langfristigen qualitativen Trends zum Austausch technisch anspruchsvoller Güter stagnierte das Niveau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der DDR auf relativ niedrigem Niveau. Hauptursache war „der Westen“ - in der doppelten Gestalt der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Gemeinschaft. Impulse für die Modernisierung der - auch in den Achtzigerjahren noch von der Roh- und Grundstoffproduktion und den traditionellen Konsumgüterindustrien dominierten - österreichischen Wirtschaft erwartete sich die Republik in erster Linie von der Annäherung an die Europäische Gemeinschaft und durch eine Verbesserung der Arbeitsteilung in Westeuropa, kurz: von der Integration in das „imperialistische System“. Schienen unter den Auspizien der Neutralität die Vollmitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Gemeinschaft oder eine Assoziierung auch nicht erreichbar, so war die beherrschende Perspektive doch das rapprochement Schritt für Schritt. Der Erklärung der EU-Ministerratskonferenz von Luxemburg im April 1984 zufolge sollte die Kooperation auf den Gebieten Transport, Energie, Landwirtschaft, Forschung und Entwicklung ausgestaltet werden. Vorschub leistete diesem prowestlichen Konsens des politischen Mainstreams der Republik, dass in etwa einem Drittel der österreichischen Unternehmen direkte Auslandsinvestitionen steckten; der Handel zwischen Österreich und den Ländern der Europäischen Gemeinschaft war in den Achtzigerjahren weitestgehend BArch-B, DL 2, VA 3 773, Botschaft der DDR in der Republik Österreich/Handelspolitische Abteilung, Ergebnisse und Probleme bei der Arbeit mit Warenhäusern, 6.5.1986. - Ebenda, Dies., Einschätzung der Vertreterorganisation der Außenhandelsbetriebe der DDR in Österreich, 9.6.1986. -Ebenda, Dies., Einschätzung der Marktarbeit der DDR, 5.12.1986. 182

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