Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Maren Seliger: KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989. Rahmenbedingungen und einige Aspekte der Außenhandelspraxis

Maren Seliger Abzug der Besatzungstruppen 1955 mit fallender, ab 1966 stark fallender Tendenz. Die Teilnahme an der Regierung mit einem Minister wurde 1947 vorzeitig beendet. Seit den Wahlen von 1959 ist die KPÖ auch nicht mehr im nationalen Parlament und im niederösterreichischen Landtag vertreten, eine der wenigen verbliebenen „Bastionen“ neben Wien (bis 1969) und der Steiermark (bis 1970).10 11 Die ab 1947 betriebene radikale Oppositionspolitik unter Beibehaltung ihrer politischen Ausrichtung auf die Sowjetunion führte sie nicht aus der politischen Isolation. Der Zurückweisung durch die Wähler sollte durch intensivere agitatorische Arbeit und Stärkung und Ausbau des Parteiapparates auf der Basis des demokratischen Zentralismus entgegengewirkt werden, eine Änderung der politischen Strategie war nicht angesagt. Die KPÖ verfügte über den höchsten Stand an hauptberuflichen Angestellten unter allen österreichischen Parteien - es wird die Zahl von 400 ohne in der Parteipresse Beschäftigte genannt. Sie gab mehrere Tageszeitungen und zahlreiche Periodika heraus und führte aufwändige Wahlkämpfe." Im Vergleich zur 1. Republik hatte sich die Zahl der auf sie entfallenden Wählerstimmen und die der Parteimitglieder in ihrer „besten“ Zeit während der Anwesenheit sowjetischer Truppen ungefähr verzehnfacht.12 Um ihren großen Apparat aufrechterhalten zu können, musste eine in der politischen Isolation agierende Partei die Frage der Finanzierung „unorthodox“ angehen. Neben Einnahmen aus der Organisation selbst und Gewinnen aus der parteieigenen Druckerei sollten dies vornehmlich Gewinnabfuhren der für die KPÖ tätigen Firmen im Ost-West-Handel leisten.13 2.2 Ost-West-Handel nach 1945 - die Chance für die Begründung von KP-Firmen In der unmittelbaren Nachkriegszeit schien es nahe liegend, die Außenhandels­beziehungen der Zwischenkriegszeit wieder aufzunehmen, die sich durch eine relativ ausgeglichene Orientierung auf Ost und West ausgezeichnet hatte. Kriegszerstörungen, Demontagen, Zusammenbruch des Verkehrswesens, Brennstoffmangel und das Fehlen von Rohstoffen bildeten die Hauptprobleme bei der Wiederingangsetzung der Wirtschaft. Die Sicherung der Nahrungsmittel­versorgung der Bevölkerung war nur mit ausländischer Hilfe möglich. Emährungs­10 Ehmer: Die Kommunistische Partei Österreichs, S. 324 f. Pelinka: Auseinandersetzung mit dem Kommunismus, S. 171 f., 180-183. 11 Ehmer: Die Kommunistische Partei Österreichs, S. 327. M ei sei, Josef: Die Mauer im Kopf. Erinnerungen eines ausgeschlossenen Kommunisten 1945-1970. Wien 1986 (Biografische Texte zur Kultur- und Zeitgeschichte Bd. 3), S. 63. 12 Ehmer: Die Kommunistische Partei Österreichs, S. 324, 328. 13 Parteitag KPÖ 1990, Finanzbericht, Berichterstatter Hans Kalt, S. 68-71, hier S. 69 f. Laut Meisel gab es keine direkten finanziellen Förderungen durch die Bruderparteien oder die USIA- Betriebe an die KPÖ, vgl. Meisel: Die Mauer im Kopf, S. 74, 145. 110

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