Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Maren Seliger: KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989. Rahmenbedingungen und einige Aspekte der Außenhandelspraxis

KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989 und Energieversorgung waren bis ins Jahr 1947 hinein krisenhaft und ungesichert. Die Teilnahme Österreichs an der Marshallplanhilfe und die damit einhergehende praktisch verordnete Westorientierung - der Osthandel wurde mit strikten Embargovorschriften erschwert - fand ihren Niederschlag in einem viel geringeren Anteil des Osthandels am österreichischen Außenhandel als in der 1. Republik. Er pendelte sich auf unter zehn Prozent ein.14 Die Marshallplanhilfe diente der Durchsetzung der globalen Interessen der USA und führte schließlich zur politischen und ökonomischen Spaltung Europas. Die Sowjetisierung Osteuropas hinter dem „Eisernen Vorhang“ war damit vorgezeichnet und zugleich legitimiert.15 3. Der Einstieg in den Osthandel ln diesem Umfeld machte sich die KPÖ daran, mit Hilfe von „getarnten“ Firmen und verdeckten Firmenbeteiligungen in den Osthandel einzusteigen, um die Partei mit ihrem großen Apparat und weitgesteckten politischen Zielvorstellungen finanziell abzusichem. In der Zeit des beginnenden „Kalten Krieges“ standen ihre Chancen dafür nicht schlecht, war es doch gesellschaftlich generell fast verpönt, mit dem Osten Geschäfte zu machen. Westliche Handelshemmnisse aus politisch- ideologischen Gründen wurden verstärkt durch bürokratische Hürden der nach sowjetischem Vorbild zentral gelenkten Planwirtschaften. Wer dennoch am Warenaustausch mit dem Osten interessiert war, dem mag es gerade in der Besatzungszeit Erfolg versprechend erschienen sein, die Vermittlung KPÖ naher Firmen zu nutzen. Als Teil der kommunistischen Weltbewegung konnte die KPÖ den Zugang zu den monopolisierten Außenhandelsstellen hinter dem „Eisernen Vorhang“ ermöglichen. Im Interesse der Staatshandelsländer lag es, mit Firmen in Kontakt zu treten, die sich nicht um jeden Preis an die Spielregeln des „Kalten Krieges“ zu halten gedachten. Hielten also die Erschwernisse der Embargovorschriften andere Firmen vom Osthandel eher fern und polemisierte die KPÖ scharf gegen die „Marshallisierung“ Österreichs - sie sah darin ein Mittel der USA, die Verelendung der breiten Massen herbeizuführen16 - so schien gerade die Westorientierung Österreichs der wirtschaftlichen Betätigung der KP-Osthandelsfirmen eine gute Voraussetzung zu bieten. Sie konnten zunächst nahezu konkurrenzlos eine Art Pionierrolle im Ost­14 Weber, Fritz: Österreichs Wirtschaft in der Rekonstruktionsperiode nach 1945. ln: Zeitgeschichte 14 (1987), S. 267-298, hier S. 274-276, 288 f. 15 Ebenda, S. 292 f. 16 So argumentierte der KPÖ-Vorsitzende Koplenig. In: Der 14. Parteitag der Kommunistischen Partei Österreichs (1948) (Gekürztes Protokoll), hrsg. vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Österreichs. Wien o. J., S. 44 f. Zur Einschätzung des Marshallplans durch die KPÖ vgl. Gärtner, Heinz: Zwischen Moskau und Österreich. Analyse einer sowietabhängigen KP. Wien 1979, S. 110 f. 111

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