Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)
Maren Seliger: KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989. Rahmenbedingungen und einige Aspekte der Außenhandelspraxis
KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989 stellte ein Drittel der Mitglieder der provisorischen Regierung Renner, ausgestattet mit bedeutenden Kompetenzen: Stellvertretung des Regierungschefs, Inneres - das hieß auch Polizei, sowie Unterricht und Volksaufklärung. Legitimiert durch ihren aufopfernden antifaschistischen Widerstandskampf an verschiedenen Fronten und ihr relativ frühes Bekenntnis zur österreichischen Nation (Alfred Klahr) beanspruchte die Partei führend beim Wiederaufbau mitzuwirken. Bei ihrer Neukonstituierung 1945 konnte sie an eine Phase ihrer Entwicklung anknüpfen, in der sie ihren sektenhaften Charakter abgelegt und durch den Zustrom zahlreicher enttäuschter linker Sozialdemokraten und Schutzbündler, aber auch von Töchtern und Söhnen aus bürgerlichen Familien seit den 30er Jahren erstarkt war. 1945 verzeichnete die Partei einen Mitgliederstand von ca. 25 000. Gestützt auf die Machtstellung der Sowjetunion sah sich die KPÖ auf der Siegerstraße.8 9 Neben den im Land verbliebenen Funktionären bildeten die Emigranten aus der Sowjetunion (einschließlich der Angehörigen der Österreichischen Freiheitsbataillone aus Jugoslawien), aus den westlichen Exilländem - unter ihnen das größte Kontingent aus Großbritannien - und die von den Alliierten befreiten kommunistischen Konzentrationslagerhäftlinge den aktiven Kern der Partei. Die dominierende Rolle in den zentralen Führungsfunktionen übernahmen die Kader aus der sowjetischen Emigration, nur wenige „Westler“ gelangten in höhere politische Parteifunktionen. Sie wurden mit Aufgaben in den sich entwickelnden wirtschaftlichen Betätigungsfeldern der Partei entschädigt: als „öffentliche Verwalter“ der beim Zusammenbruch herrenlos gewordenen und/oder ehemals deutschen Unternehmen in der sowjetischen Zone, als Geschäftsführer und Mitarbeiter in „getarnten“ Import-Export-Parteifirmen und schließlich auch zum Teil in von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmten Betrieben.1' Profitierte die KPÖ einerseits auf vielfältige Weise von der Anwesenheit der sowjetischen Truppen, stigmatisierte andererseits die kritiklose Identifizierung mit den sowjetischen Befreiem/Besatzem und die enge ideologische Verbundenheit mit ihnen die KPÖ als „Russenpartei“. Die ersten auf einen frühen Zeitpunkt, im November 1945, festgelegten Parlamentswahlen deckten die realen Kräfteverhältnisse auf: Die KPÖ wurde mit nur rund fünf Prozent Stimmenanteil auf den Status einer Kleinpartei verwiesen. Darüber sollte sie auch bei den späteren Wahlen nicht hinauskommen, nach Erlangung der Unabhängigkeit Österreichs und dem 8 Ehmer, Josef: Die Kommunistische Partei Österreichs. In: Handbuch des politischen Systems Österreichs. Die Zweite Republik, hrsg. von Herbert Dachs, Peter Gerlich, Herbert Gottweis, Franz Horner, Helmut Kramer, Volkmar Lauber, Wolfgang C. Müller, Emmerich Tàlos. Wien 1997, 3. erw. u. völlig neu bearb. Aufl., S. 323-332, hier S. 323-325. 9 Toch, Josef: Enklave KPÖ. In: Bestandaufnahme Österreich 1945-1963, hrsg. von Jacques Hannak. Wien-Hannover-Bem 1963, S. 63-82, hier S. 65. Rosenstrauch, Hazel: Beim Sichten der Erbschaft Wiener Bilder für das Museum einer untergehenden Kultur. Eine Nacherzählung. Mannheim 1992, S. 38 f. Vgl. auch Angaben im Gespräch mit Oskar Rosenstrauch vom 23.6.2004. 109