Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)
II. Die Wahrnehmungen von Raum / The perceptions of space - Wolfgang König: Mit der Eisenbahn auf den Gipfel des Matterhoms
Wolfgang König von ihm als albern bezeichnete Formel „Wer nicht gehen kann, soll unten bleiben”.2" Analog könnte man dann auch fordern: Wer nicht von Norddeutschland zu Fuss in die Schweiz wandern kann, soll zu Hause bleiben, und werden Kanal nicht überschwimmen kann, der soll in Wales spazieren gehen! Das Argument der Körperlichkeit würdigte den Berg zum „Klettergerät” herab. Der Schriftsteller Konrad Falke20 21 sprach in seinem Bestseller „Im Banne der Jungfrau” (1909) dem Alpinismus besonderen charakterlichen Wert ab und pries die Jungfraubahn als „ein Dokument menschlicher Grösse”.22 Trotz des wütenden Protests von Bergsteigern beharrte er auf seiner Einschätzung: [N]ach den Geistesäusserungen zu schliessen, die man zuweilen in Klubhütten erlebt, dürfte es mit dem Seelenadel der meisten Jungfraubesteiger nicht glänzender bestellt sein, als mit dem der künftigen Jungfraufahrer.1’ Abbildung 3: Bahnprojekt auf die Jungfrau 1893. Quelle: Deutsches Museum, Bild- Nr. 19 883. 20 Beilagen zum Konzessions-Gesuch für eine Jungfraubahn. Der h. Bundesversammlung vorgelegt in der Dezember-Session 1894. Zürich 1894, S. 8-11. 21 Inderbitzin, Zeno: Konrad Falke (Karl Frey). Sein Leben, seine Werke. Diss. Freiburg i. IJe. 1955. Luzern 1958. 22 Falke, Konrad: Im Banne der Jungfrau. Zürich 1909. S. 61; Falke, Konrad: Gegen die Jungfraubahn. Eine Erwiderung, ln: Alpina 17(1909), S. 150-52, hier S. 150 f. 21 F a 1 k e , Konrad: Zur Profanation des Hochgebirges. In: Alpina 20 ( 1912), S. l29f,hierS. 130. 84