Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

II. Die Wahrnehmungen von Raum / The perceptions of space - Wolfgang König: Mit der Eisenbahn auf den Gipfel des Matterhoms

Mit der Eisenbahn auf den Gipfel des Matterhoms Die neuen Satzungsformulierungen richteten sich gegen Hochgipfelbahnen, ohne sie explizit zu nennen. Damit vertrat der SAC eine viel moderatere Position als der Heimatschutz, der sich auch gegen Bahnen auf niedrigere Gipfel und über Pässe ausgesprochen hatte. Die Differenzen resultierten daher, dass der Heimatschutz eher weltanschaulich motiviert, der Alpenclub mehr interessengeleitet war. Der Heimatschutz vertrat ein Ideal von Naturlandschaft, in welchem technische Bauten keinen Platz hatten. Die im SAC organisierten Bergsteiger nahmen dagegen nur zu gern die Bahnen in Anspruch, welche ihre Hochtouren erleichterten. Sie waren dankbar für die teilweise beträchtlichen Ermäßigungen, welche ihnen die meisten Bahngesellschaften gewährten. Die Gletscher, Wände und Gipfel sollten aber den Alpinisten Vorbehalten bleiben. Gegen das von den Bahnbefurwortem strapazierte Argument einer „Demokratisierung” des Reisens postulierten sie ein Vorrecht der Bergsteiger auf das eigentliche Hochgebirge. Als Begründung führten sie vor allem den physischen, psychischen und moralischen Erziehungswert des Bergsteigens ins Feld. Den Befürwortern von Hochgebirgsbahnen erschien der Verweis auf den Erziehungswert des Bergsteigens wenig überzeugend. Der Topograph Simon Simon, Mitglied der wissenschaftlichen Kommission der Jungfraubahn, polemisierte gegen die 83 Abbildung 2: Karikatur gegen die projektierte Matterhombahn. Quelle: Heimatschutz 2 (1907), Heft 3.

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