Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)
IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Stefan Zeilinger: Eisenbahn und Geschwindigkeit
Stefan Zeilinger Scotsman wurden seit den 1860er Jahren betrieben, zur selben Zeit kam von den USA aus das Pullman-Konzept mit hochkomfortablen Schlafwagen nach Europa. Bis in die 70er Jahre hinein konnten Reisende im Trans-Europ-Express in ihren Erste-Klasse- Wagons gar auf die Dienste einer Bordsekretärin zurückgreifen! Der Komfort reichte also von der Innenausstattung der Wagen bis zum exklusiven Serviceangebot. Die Bedeutung der Komfort-Angebote stieg lange mit der Entfernung von Strecken, die Reisende zu fahren bereit waren. Durch die verschärfte Konkurrenz anderer Verkehrsmittel nahm das Bedürfnis an derart teurem Komfort jedoch seit den 50er Jahren stetig ab, und die Verkürzung der Reisezeiten durch schnelle Züge bedeutete ebenfalls, dass immer weniger Bedarf an Luxusangeboten vorhanden war. Erst seit den 90er Jahren wird das Marktsegment der Luxuszüge wieder entdeckt. ... und Geschwindigkeit Damit kommen wir beim zentralen Thema dieses Aufsatzes an, der Geschwindigkeit. Der Ruhm der “Rocket“, Robert Stephensons berühmter Lokomotive, beruhte neben technischen Neuerungen auf der Geschwindigkeit, indem sie das erste Eisenbahnrennen gewonnen hatte. Anfangs also wohnte der Geschwindigkeit weniger eine praktische als vielmehr eine prestigeträchtige Rolle inne. In den Zeiten von kurzen Strecken, in denen die Bahn wesentlich den Nah- und Regionalverkehr bedienen konnte, war sie in der Reisezeit ohnehin der Postkutsche weitaus überlegen. Mit der Vernetzung in nationalen, später gar internationalen Dimensionen hingegen bot sich für eine deutlich größere Zahl von Reisenden nun die Gelegenheit zu Femreisen. Wollte die Bahn nun nicht an ihre Systemgrenzen stoßen, so musste zwangsläufig die Geschwindigkeit erhöht werden. Höhere Geschwindigkeiten ermöglichten damit eine Marktexpansion durch die einfachere und bequemere Erreichbarkeit von ferneren Zielen. Die erste modale Konkurrenz:das Automobil zu Beginn des 20. Jahrhunderts Um Marktpositionen ging es auch noch im 20. Jahrhundert, allerdings unter anderen Vorzeichen. Spätestens ab den 20er Jahren fand sich die Eisenbahn in Europa zunehmend in der defensiven Rolle wieder. Die Konkurrenz des Automobils kam in Deutschland etwa nach dem Ersten Weltkrieg spürbar auf. Seine erste große Stärke lag in der praktisch immer gewährleisteten Verfügbarkeit von Verkehrsleistungen. Hinzu kam, dass sich auch die Verkehrsfrequenz gut variieren ließ. In punkto Komfort und Schnelligkeit konnte die Bahn im Allgemeinen hingegen sehr gut mithalten. Wichtig wurde jedoch noch ein weiterer Aspekt des Automobils: Das neue Verkehrsmittel konnte mit 324