Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Stefan Zeilinger: Eisenbahn und Geschwindigkeit

Eisenbahn und Geschwindigkeit Ein Vergleich mit dem heutigen Stellenwert der Bahn macht deutlich, dass sie ihre dominierende Rolle in keinem Land der Erde behalten hat. Automobil und Flugzeug haben die Eisenbahn vor allem im Personenverkehr in eine Nische verwiesen.' Ge­schwindigkeit ist auch nicht mehr ihr wesentliches Charakteristikum; sie wird eher ihren beiden schärfsten Konkurrenten zugewiesen, auch wenn mit Hochgeschwindig­keitszügen ein gewisser Boden wieder gut gemacht werden konnte. Es hat sich also in Phasen ein Bedeutungswandel der Bahn und der Zuordnung von Verkehrswertigkeits­kriterien ergeben, bei der die Bahn im Wettbewerb deutliche Markt- und Imageverluste hinnehmen musste: Die Modalkonkurrenz gewann die beherrschenden Positionen im Bereich mehrerer dieser Kriterien, während die Entwicklung der Bahn auf diesen Ge­bieten stagnierte. Die Netzbildung der Bahn war in Westeuropa etwa um die vorletzte Jahrhundertwen­de abgeschlossen. Damit einher gingen auch die Massenleistungsfähigkeit, die im We­sentlichen spätestens ab diesem Zeitpunkt vollauf gewährleistet war. Ihre Pünktlichkeit war, wie erwähnt, sprichwörtlich, und die Frequenz ließ sich gut variieren. Die Schräubchen, an denen gedreht werden konnte, waren daher in erster Linie Sicherheit, Komfort und Geschwindigkeit. Sicherheit, Komfort... Die Verbesserung der Sicherheit umfasste Themen wie vom Gleis-, Brücken und Tunnelbau, Weichen und Signalwesen, Explosionsfestigkeit der Lokomotivkessel, sowie Entgleisungs- und Entkupplungssicherheit der Züge, also ziemlich alle Kompo­nenten des Systems Bahn. Bis heute wird daran geforscht und entwickelt, doch bereits um die Jahrhundertwende hatte sich die Eisenbahn zu einem äußerst sicheren Ver­kehrsmittel entwickelt, auch wenn immer wieder spektakuläre Unfälle für Schlagzeilen sorgten. Gegen derartige Unfälle ist die Eisenbahn natürlich bis heute nicht gefeit, wie vor einigen Jahren der tragische Unfall eines ICE bei Eschede mit 101 Toten gezeigt hat. Insgesamt jedoch ist die Bahn eines der sichersten Verkehrsmittel überhaupt. Der Komfort, ohnehin praktisch von vomeherein höher als der von Postkutschen, wurde ebenfalls wesentlich verbessert und rückte im Verlauf des 19. Jahrhunderts im­mer deutlicher in das Zentrum der Betrachtung. Erste Komfortzüge wie der Flying ' Vgl. Zeilinger, Stefan: Wettfahrt auf der Schiene. Die Entwicklung von Hochgeschwindigkeitszü­gen im europäischen Vergleich. Frankfurt am Main-New York 2003, zu vier repräsentativen europäi­schen Staaten 323

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