Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)
IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Milan Hlavacka: Frühes Eisenbahnwesen und Technologietransfer in den böhmischen Ländern und in der Habsburgermonarchie 1837-1842
Frühes Eisenbahnwesen und Technologietransfer in den böhmischen Ländern Lastzuges Johann Graf wurden, weil sie das Fahrtgebot befolgten, obwohl ihre Uhren anderes besagten, wegen schwerer Polizeiübertretung mit Haft und hohen Geldbußen bestraft. Der Fall bewog die Bahndirektion im April 1840 zu strengerer Kontrolle der Vorschriften zur Einhaltung der Fahrzeiten und zur Sicherung einer richtigen und allgemein gleichen Uhrzeit. Für die gesamte Bahn galt die so genannte Normalzeit und zwar geregelt nach der Wiener Stationsuhr. Diese so genannte Hauptnormaluhr war versperrt und nur dem hierfür bestimmten Stationsbeamten zugänglich. Sie war die beste und verlässlichste Uhr in ganz Wien. Jeden Tag erhielt der Oberkondukteur des Wiener Frühzuges eine nach dieser Hauptuhr eingestellte Uhr mit auf die Reise. In jeder Station musste dann der jeweilige Fahrdienstleiter den Gang der eigenen Uhr einstellen, und zwar nur bei exakt diesem Zug und genau dieser Fahrt aus Wien. Erst der Telegraph löste die Probleme mit der genauen Einheitszeit. Vom Jahre 1847 an kontrollierten alle Stationen in der Habsburgermonarchie jeden Tag zu Mittag die Zeit nach dem telegraphischen Signal. Seit den 1860er Jahren, also nach der Trennung der Eisenbahn vom staatlichen Telegraphen und nach Einführung des Glockentelegraphen, der nicht nur in den Stationen, sondern auch in den Wächterhäusem läutete, konnten auch die Bewohner in der nächsten Umgebung ihre Uhren nach dem Mittagssignal der Eisenbahn einstellen. Resümee Mit der Ankunft der Kaiser Ferdinands-Nordbahn bekamen die Bewohner Südmährens zum ersten Mal am eigenen Leib zu spüren, was kapitalistische Untemehmungs- und Handlungsweise ist. Obwohl sich alles unter der Ägide eines kaiserlichen Privilegiums und unter der Oberaufsicht der politischen Behörden abspielte, waren die Eingriffe der Eisenbahngesellschaft in das Leben und in die Rechte der Bewohner so unerwartet dominant, dass sie sich dagegen anfangs überhaupt nicht zur Wehr zu setzen wussten. Die Empfindungen angesichts des Aufkommens dieser neuen Transporttechnologie verzeichnete ein unbekannter mährischer Chronist eindrucksvoll im Gedenkbuch der Gemeinde B ezce. An diesem Ort führte ein Abschnitt der staatlichen Nordbahn von Olmütz nach Prag vorbei. Zum Datum 12. August 1842 schrieb er in Tschechisch Folgendes: Zur Erinnerung für uns und unsere Nachkommen wird verzeichnet, dass über unsere Felder unerwartet die Eisenbahn hereinbrach und sich rücksichtslos ihren Weg über Getreide und Wiesen bahnte [...]. So wie man wollte, traf man die Messungen um den Bau. Wir begaben uns gleich zur Obrigkeit und auf das Kreisamt und suchten nach Abhilfe, aber vergeblich, war das doch vom Kaiser selbst befohlen worden [...]. Die Leute von der Eisenbahn verursachten uns auch viel Schaden, indem sie Schotter und anderes Material 281