Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)
IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Milan Hlavacka: Frühes Eisenbahnwesen und Technologietransfer in den böhmischen Ländern und in der Habsburgermonarchie 1837-1842
Milan Hlavacka nachzuweisen. Daran anschließend werde ich die Tätigkeit der ersten österreichischen Eisenbahn aus der Perspektive der südmährischen Nichtreisenden betrachten, für welche die Eisenbahn eine wirklich „schmerzhafte Begegnung“ war. Zugleich möchte ich den Erbauern der ersten österreichischen und zugleich mährischen und böhmischen Eisenbahnen Tribut zollen, denn sie haben ein für die damalige Zeit gigantisches Werk geschaffen, dessen raison d'etre erst jetzt kritisch hinterfragt wird. Startschwierigkeiten, Technologietransfers und Mobilität von Fachpersonal bei den ersten österreichischen Eisenbahnen Der Bau der Eisenbahnen war ein finanziell außerordentlich aufwändiges Unternehmen. Für den Bau des ersten längeren Abschnittes der Kaiser Ferdinands- Nordbahn von Wien nach Brünn verbrauchte man beispielsweise - trotz günstiger Terrainbedingungen - in den Jahren 1837-1839 statt der geplanten 4 Millionen fl.C.M. schon 7,5 Millionen. Der wirkliche Kostenaufwand pro Kilometer überstieg 46 000 fl.C.M., geplant waren 26 000 fl.C.M. Die mittels Subskription gewonnen 12 Millionen fl.C.M. reichten lediglich für den Bau der Hauptstrecke nach Leipnik an der Betschwa und der Abzweigungen nach Brünn und Olmütz. Für die Fertigstellung der Trasse von Feipnik nach Oderberg wurden nach langen Erwägungen 3,5 Millionen fl.C.M. ausgeklammert (preliminiert). Zu diesem Zeitpunkt hatten die Aktionäre und die Direktion der Gesellschaft der Kaiser Ferdinands-Nordbahn bereits große Erfahrungen durch den Bau der ersten Abschnitte hinter sich. Dessen ungeachtet musste die Generalversammlung der Aktionäre im Frühjahr 1847, als die Trasse schließlich bis nach Nordmähren vorgetrieben worden war, konstatieren, dass dieser Abschnitt 5 Millionen fl.C.M. gekostet hatte. Es gab viele Faktoren, die den Bau und den Betrieb der ersten österreichischen Eisenbahnen verteuerten. Die Wichtigsten lassen sich mit einigen Kostenstellen benennen, die auch mit Technologie- und Fachkräftetransfers Zusammenhängen. Der Ankauf von Grundstücken für den Bahnkörper stieß gleich am Beginn des Baues auf den zähen Widerstand der Liegenschaftseigentümer. Die meisten Grundstücke mussten zu einem über ihrem Wert liegenden Preis gekauft werden, da die künstlich geschaffene Nachfrage eine unangemessene Preissteigerung bei den Grundstücken in unmittelbarer Nähe der angepeilten Trasse mit sich brachte. Sehr oft geschah es, dass weder die Rustical- noch die Dominikal-Besitzer die bei früherem Beginn des Baues begonnenen Verhandlungen später anerkannt haben. Sollten nicht häufige gerichtliche Schätzungen eintreten, denen wir nicht gerne anheim gefallen wären, heißt es etwa im Verhandlungsprotokoll der Generalversammlung der Aktionäre der Kaiser Ferdinands-Nordbahn vom März 1847, 264