Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Milan Hlavacka: Frühes Eisenbahnwesen und Technologietransfer in den böhmischen Ländern und in der Habsburgermonarchie 1837-1842

Frühes Eisenbahnwesen und Technologietransfer in den böhmischen Ländern so mussten für die Grundeinlösungen höhere Beträge bezahlt werden, als diess zur Zeit des ersten Bauangriffs der Fall gewesen seyn würde. Terrain-Verhältnisse haben sich ungünstiger gezeigt, als man voraussetzen zu können geglaubt hat, und die [...] bedeutenden Erdrutschungen haben grosse Auslagen zur Folge gehabt, auf die man in der präliminierten Summe nicht gerechnet hat.2 Auf dem Territorium der Gutsherrschaften Lundenburg, Eisgrub, Gross-Paulowitz, Nikolsburg und jenem des Städtchens Kostei in Südmähren lehnten die Grundeigentümer einen Aufkaufpreis von höchsten 560 fl.C.M. je Morgen ab und verlangten bis zu achtmal höhere Preise. Bei den im Frühjahr 1839 vorgenommenen gerichtlichen Schätzungen setzten die Sachverständigen Aufkaufpreise für die Äcker der besten Bonität in Podol mit 1 300 fl.C.M., in Chirlitz mit 1 020, in Raigem mit 930 und Seelowitz mit 960 fl.C.M. fest. Die Nordbahn-Gesellschaft war jedoch mit den Ergebnissen der Schätzungen nicht einverstanden. So kam es zu einem langwierigen Prozess zwischen der Direktion der Nordbahn und den mährischen politischen Behörden, in den sogar die Wiener Hofkammer eingreifen musste. Aus Angst vor Gewalt der Untertänigen gegen die Eisenbahn drohte schließlich das mährisch­schlesische Gubernium mit der Einstellung sämtlicher Bauarbeiten auf dem Territorium Mährens und Schlesiens, falls sich die Bahndirektion nicht innerhalb von vier Wochen mit den Grundeigentümern einigen sollte. Die Direktion der Nordbahn reichte jedoch eine Beschwerde an den Kaiser ein und die Hofkanzlei entschied im Juni 1839 zu Gunsten der Nordbahn. Bei einem neuerlichen Vergleichsversuch gingen die Untertanen unter dem Druck der politischen Behörden und der Eisenbahngesellschaft letztlich auf die von der Bahngesellschaft angebotenen Beträge ein. Einzig und allein die Untertanen des Herrschaftsgutes Seelowitz verharrten bis April 1840 in Widerstand. Aus diesen Gründen fielen die, für Grundstücke auf den oben genannten vier Herrschaftsgütem, bezahlten Preise gegenüber dem Voranschlag um ein Vielfaches höher aus. Allein auf dem Gut Seelowitz bezahlte die Nordbahn eine Summe von fast 45 000 fl.C.M. und damit einen Betrag, der ursprünglich für den Aufkauf der Grundstücke auf dem gesamten Abschnitt Lundenburg-Brünn geplant war. 2 Protokoll der am 31. März 1847 abgehaltenen fünfzehnten General-Versammlung der Actionäre der ausschl. privil. Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Wien 1847, S. 8. 265

Next

/
Oldalképek
Tartalom