Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

II. Die Wahrnehmungen von Raum / The perceptions of space - Gerhard Strohmeier: Eisenbahn und Raumwahrnehmung

Eisenbahn und Raumwahmehmung durchquerte; beides, der Blick aus dem Abteil und der Blick auf die Eisenbahn in der Landschaft trugen dazu bei. Romantisch aufgeladene Landschaften, vor allem Gebirgslandschaften, wurden durch die Eisenbahn zugänglich und konnten touristisch erschlossen werden. Gebirgsbahnen wurden Wegbereiter des alpinen Tourismus. Sowohl Eisenbahnlinien, die auf ihrer Streckenführung Gebirgszüge überwinden mussten, als auch Eisenbahnen, die speziell aus touristischen Gründen in Gebirge und auf Berggipfel gebaut worden waren,19 wurden gesellschaftliche Attraktionen und Motive für touristische Reisen. Für Österreich können hier beispielsweise die gut untersuchte und dokumentierte Semmeringbahn oder die Arlbergstrecke genannt werden.20 Der Arlberg erfuhr durch die Arlbergstrecke eine ebenso einschneidende Aufwertung wie der Semmering, wenngleich in etwas anderer Weise. Die Gebirgslandschaft des Arlberg war nicht nur Gegenstand der romantischen Landschaftswahmehmung, sondern ermöglichte eine sportliche Wahrnehmung von Landschaft. Der Arlberg wurde später auch als die Geburtsstätte des alpinen Schilaufs bezeichnet. Mit der Bahn auf den Arlberg, eröffnet 1884, wurde es für Touristen auch im Winter möglich, in Gebirgslagen zu gelangen, in denen ideale Bedingungen für den Schilauf gegeben waren. Schon um die Jahrhundertwende war der Arlberg als ein mondäner Treffpunkt von Schitouristen aus ganz Europa bekannt und bereits mit einer guten bis luxuriösen touristischen Infrastruktur ausgestattet. Weltweit wurde im späten 19. Jahrhundert die Errichtung von Gebirgsbahnen betrieben und von den Eisenbahngesellschaften schon im Stadium der Konzeption mit einer Kombination von ökonomischer Nützlichkeit und ästhetischer Qualität argumentiert. In der Konzeption und Planung von Eisenbahnen wurden neben den Vermessungstechnikern zusätzlich Maler, Zeichner und Fotografen unter Vertrag genommen, die Bilder der Landschaften herstellten, durch die die Eisenbahn geführt 19 So wurde die Planung von Gebirgsbahnen durchaus mit touristischen und letztlich ästhetischen Argumenten begleitet. Vgl. den Text von Wolfgang König in diesem Band. 20 Der Semmering wurde von Wolfgang Kos ausführlich hinsichtlich seiner Bedeutung für die Herstellung eines besonderen Wahmehmungsmodus untersucht, der eine Aufwertung der gesamten Region nach sich zog; Kos, Wolfgang: Die Eroberung der Landschaft. Zu einem kulturhistorischen Ausstellungsprojekt, ln: Die Eroberung der Landschaft Semmering Rax Schneeberg. Katalog zur Niederösterreichischen Landesausstellung im Schloß Gloggnitz 1992, hrsg. von demselben, Wien 1992, S. 20-48; vgl. auch Kos, Wolfgang: Über den Semmering. Kulturgeschichte einer künstlichen Landschaft. Wien 1984 187

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