Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)
II. Die Wahrnehmungen von Raum / The perceptions of space - Ralf Roth: Die Verkürzung von Raum und Zeit: Konsequenzen der Eisenbahn für die Wahrnehmung der Stadt
Die Verkürzung von Raum und Zeit: Konsequenzen der Kisenbahn für die Wahrnehmung der Stadt Abbildung 2: Planungsskizze der Berliner Stadt und Ringbahn mit eingezeichneten Siedlungsregionen 1871. Quelle: Schwabe, Hermann: Berliner Südwestbahn und Centralbahn, beleuchtet vom Standpunkt der Wohnungsfrage und der Industrie Gesellschaft. Berlin 1873, S. 34 f. Unter den zahlreichen Vorschlägen, die im Rahmen dieser Diskussion unterbreitet wurden, sticht ein Projekt hervor, bei dem mit Hilfe der Eisenbahn weiträumige Gebiete als Bauland erschlossen werden sollten. Es war der Magistrat der Stadt Berlin, der in einer Aufsehen erregenden Petition an das Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten am 23. Oktober 1871 einen Eisenbahnring um die Stadt forderte, der für den Personennahverkehr eine Verbindung zum Stadtzentrum haben sollte. Schwabe, der Verfasser einer begleitenden Denkschrift, begründete dies mit der Erschließung von Siedlungsraum in der Region. Absicht war es, „bei der rapidesten Bevölkerungszunahme [...], billiges Terrain zur Bebauung heranzuziehen, d. h. zu colonisiren, und zwar im großen Maßstabe“. Er ging davon aus, dass „nur Locomotiv- Eisenbahnen“ in der Lage seien, 145